Lulu und Jimi

Im einfarbig bornierten Alltag der späten 50er Jahre in Deutschland versucht die junge Lulu den grauen Fäden der Langeweile ihrer Zeit zu entkommen. Von den bunten Farben eines Jahrmarkts angelockt lernt sie eines Tages den schwarzen Schausteller Jimi kennen, der Aufregung und Anderstsein verspricht, und es funkt zwischen den beiden sofort und unerbittlich.

Der Rest hört sich an wie und ist durchaus eine Hommage an David Lynchs Wild at Heart (1990), sollte aber keinesfalls darauf reduziert werden: Die Familie von Lulu, insbesondere ihre herrschsüchtige Mutter, versucht die ihrer Meinung nach vollkommen indiskutable Liebe zu dem „Neger“ zu ersticken, und das mit allen nötigen Mitteln, denn in der Gunst um Lulu ist bereits ein anderer fest eingeplant.

Wenn Potential mit Kapital aufgewogen und verwechselt wird, rangiert man anstatt mit der Qualität des Zelluloids lieber mit Köpfen oder Zahlen. Oskar Roehlers letzter Film „Elementarteilchen“ (2006) stand so signifikant im Schatten von Bernd Eichinger, der dem deutschen Kino lediglich als Mainstream-(un)taugliche Produzenten-Marionette ansteht. Nun scheint sich zumindest in der inneren Einstellung und damit im eigentlichen Filmschaffen Roehlers etwas getan zu haben: Mit „Lulu und Jimi“ kehrt er deutlich kompromissloser zu den eigenen cineastischen Vorlieben zurück, und das mit einer ganzen Reihe an filmischen Anleihen, die er eher geschickt inszeniert als übertrieben coloriert, auch wenn letzteres genau das Stilmittel ist, das Roehler in seinem neuesten Machwerk markant einsetzt: Eine knallbunte, aber darin straight gesetzte 50er Jahre-Ästhethik!

Die Mischung aus Eigenheit und Anleihen gibt dem Film schließlich seinen gesonderten (Ge-)Halt und Charakter, und das auch abseits des Visuellen. Love & Rock’n'Roll – nicht zuletzt deswegen ein idealer Film für Wiese und Leinwand des Zebra Open Airs 2009.

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