F 1991; 240 Min.; OmU; Regie: Jacques Rivette; mit: Emmanuelle Béart, Jane Birkin, David Burzstein, Michel Piccoli u.a. FSK: AB 6
Die schöne Querulantin ist der Titel eines unvollendeten
Gemäldes, an dem der berühmte Maler
Edouard Frenhofer (Michel Piccoli) beinahe zerbrochen
ist. Seither hat er die Malerei aufgegeben,
bis ihm der Zufall Marianne (Emmanuelle
Béart) zuführt.
In Honoré de Balzacs “Le chef-d’oeuvre inconnu”,
auf dem die Story des Films lose basiert,
sagt Frenhofer über die Malerei, dass sie „den
Anschein des Lebens“ ausdrücke und auch
„sein Zuviel, das über die Ufer tritt, jenes irgendetwas,
das vielleicht die Seele ist und das wolkig
über der Hülle schwimmt“. Dieses im Produkt
Nicht-Sichtbare zeigt Rivette.
Mehrfach nimmt sich der Film Zeit, um die Entstehung eines
Bildes vom ersten bis zum letzten Strich zu verfolgen.
Minutenlang behält die Kamera die malende
Hand (Bernard Dufours) im Blick. Er zeigt
den Akt des Malens als Kampf mit Dämonen,
als Besessenheit, durch die ein dunkel-lastendes
Geheimnis enthüllt wird. Frenhofer malt
Marianne nicht einfach nur, vielmehr will er etwas
Nicht-Sagbares aus dem schönen, nackten
Körper herauszwingen. Als er es endlich hat,
wird seine Erkenntnis in der schwerelosen
Schönheit des vollendeten Gemäldes sublimiert.
So spielt Rivette nach, wie Geheimnisse in die
Kunst kommen. Und Die schöne Querulantin ist
voller Geheimnisse.
Der junge Maler Nicolas (David Burzstein)
kommt mit seiner Freundin Marianne in den
sommerlich trägen Süden, um dem verehrten
Frenhofer einen Besuch abzustatten. Der lebt
mit seiner Frau Liz (Jane Birkin) auf einem abgeschiedenen
Anwesen. Der alternde Maler trinkt,
ist egoistisch und kaum gesellschaftsfähig.
Marianne inspiriert den Maler und er überwindet
seine Verzweiflung.
Die Idee, das ouevre inconnu nun doch zu vollenden,
wird für alle zu einem gefährlichen Sog, in dessen
überbordernd betörender Sinnlichkeit der Film auf gefühltes
Zeitlupentempo herunterfährt.
Das Bild, das einst Frenhofers Schaffen krönen
sollte und für das Liz Modell stand, wird nun
übermalt. Nach fünf Tagen des unverhältnismäßigen
Gebens und des skrupellosen Nehmens
ist es vollbracht. Das Bild erstarrt im Geheimnis
einer seltsamen Faszination. Die Protagonisten
hingegen haben sich unwiderruflich gewandelt.