Der 16-jährige Karl Roßmann wird von seinen Eltern nach Amerika geschickt, weil ihn ein Dienstmädchen verführte und ein Kind von ihm bekam. Seine Bemühungen, sich in der Zivilisation der „Neuen Welt“ mitt ihren rationalisierten Arbeitsmethoden zurecht zu finden und sich im Konkurrenzkampf gegen ungerechte Behandlungen und Übervorteilungen zu behaupten, schlagen immer wieder fehl. Aus der Berliner Pressekonferenz, 21. Februar 1984, mit Straub – Huillet: Jean-Marie Straub – Es geht hier einfach um Raum und Zeit. Raum ist die Arbeit des Filmemachers, nicht viele haben die Geduld, mit Raum umzugehen.
Die filmen irgendwie so, und die wissen nicht, wie weit sie stehen und… Dann geht es um Zeit. Aus dem Raum muß Zeit geschaffen werden. Zeit ist auch Text, und wie der gesprochen wird. Und es geht um einen Text, drittens und letztens. Nicht um einen Klotz. Und dieser Text von Kafka ist zum ersten Mal auf einer Leinwand, das ist alles. Vielleicht gibt es andere Filme später, wird es geben, aber bis jetzt gibt es keine Filme, die einen Text von Kafka auf die Leinwand bringen. Das ist alles. Und es ging mir nicht darum, die Atmosphäre von Prag aufzufangen, sonst hätte ich den Film in Prag gedreht. Das war einfach nicht die Absicht vom Film. Das ist alles.
So wie ich den Film für mich verstehe, geht es nicht nur allein darum, wie die einzig gültige Interpretation eines Kafka-Textes zu verstehen ist, sondern auch darum, ein Verhältnis aus heutiger Zeit zu so einem Text zu finden, und zwar mit den Menschen, die vor der Kamera da arbeiten, die auch selbst ihre Schwierigkeiten haben. Jean-Marie Straub – Entschuldige, das ist ein weiter Weg. Gerade, weil Du behauptet hast… Parenthese: Es ging uns überhaupt nicht darum, einen Text zu interpretieren. Keineswegs. Wir wollen keine Spur von Interpretation, wir wollen einen Text ganz… Wir sind keine Künstler! Wir sind Filmemacher! Es geht uns darum, einen Text vorzutragen. Schluß! Den Leuten, die ihn
nicht gelesen haben oder die ihn schlecht gelesen haben oder sogar die ihn gut gelesen haben… über bestimmte Körper, Körperdarsteller zu bringen. Das ist alles.
D/F 1984; 127 MIN.; REGIE: JEAN-MARIE STRAUB UND DANIÈLE
HUILLET; BUCH: NACH FRANZ KAFKAS ROMANFRAGMENT
„AMERIKA“(AUCH: „DER VERSCHOLLENE“); MIT: CHRISTIAN HEINISCH,
NAZZARENO BIANCONI, MARIO ADORF, ALFRED EDEL, U.A.; FSK: O.A.