Gesucht wird Jesus Christus:
Angeklagt wegen Verführung, anarchistischer
Tendenzen, Verschwörung gegen die Staatsgewalt.
Besondere Kennzeichen:
Narben an Händen und Füßen.
Angeblicher Beruf: Arbeiter.
Nationalität: Unbekannt.
Decknamen: Menschensohn, Friedensbringer,
Licht der Welt, Erlöser.
Der Gesuchte ist ohne festen Wohnsitz. Er hat
keine reichen Freunde und hält sich meist in ärmlichen
Wohngegenden auf. Seine Umgebung sind
Gotteslästerer, Staatenlose, Zigeuner, Prostituierte,
Waisenkinder, Kriminelle, Revolutionäre,
Assoziale, Obdachlose, Arbeitslose, Verurteilte,
Gefangene, Geflohene, Gejagte, Misshandelte,
Zornige, Kriegsverweigerer, Verzweifelte, schreiende
Mütter in Vietnam, Hippies, Gammler, Fixer,
Ausgestoßene, zum Tode Verurteilte.
Ich werde von der Polizei gesucht, weil ich in die
Welt hinaus schreie, dass die bestehende Ordnung
untergehen wird. Eine Ordnung, in der Pfarrer
Hostien verteilen an Soldaten, die in Vietnam
Frauen mit ihren Kindern auf dem Arm abknallen.
Ich bin nicht der offizielle Kirchenjesus! – Der unter
Polizisten, Bankiers, Richtern, Henkern, Offizieren,
Kirchenbossen, Politikern und ähnlichen Vertretern
der Macht geduldet wird! Ich bin nicht euer
Superstar! – Der seine Rolle am Kreuz für euch
weiterspielt, und dem ihr aufs Maul schlagt, wenn
er aus der Rolle fällt!“
21. November 1971, Deutschlandhalle Berlin:
Klaus Kinski spricht. Der erste seiner zwei
Auftritte umfassenden Jesus Christus Erlöser Tour
schlägt ein als eigenwillige und ebenso ergreifende
Interpretation des Neuen Testaments, die kein
gutes Haar lässt an der zeitlosen Doppelmoral
von Religion und Bürgertum. Immer wieder gestört
durch wahre Tiraden an Provokation und
Zwischenrufen, gerät die Veranstaltung jedoch
schon bald außer Kontrolle.
Mit der inszenatorisch äußerst gelungenen
digitalen Zusammenstellung der originalen
16mm-Aufnahmen dieses legendären Abends
wird man Zeuge eines Klaus Kinski, der kompromisslos
polarisiert, verstört und wachrüttelt.
D 2008; 84 Min .; Regie : Peter Geyer ; Mit : Klaus Kinski als er
selbst (Archivmaterial ); FSK: ab 12