Jerichow, ein Dorf im Nordosten Deutschlands – eine arme Gegend in der es kaum Arbeit gibt. Hier treffen drei Menschen, die vom Weg abgekommen sind, mit schicksalhafter Zufälligkeit auf einander: Thomas (Benno Führmann), ein unehrenhaft entlassener Afghanistan-Soldat, jung, stark und wortkarg, der nach dem Tod seiner Mutter in das geerbte Haus in Jerichow zurückkehrt. Der Türke Ali (Hilmi Sözer), vom Leben schon ein wenig mitgenommen, aber immer noch leutselig, der sich von den Betreibern seiner Imbissbude nicht betrügen lassen will. Und Laura (Nina Hoss), eine Frau mit Vergangenheit, schön, aber in der Ehe mit Ali ein wenig unscheinbar geworden. Jeder hütet sein eigenes Geheimnis mit großer Achtsamkeit. Doch sind auch alle drei auf der Suche nach Liebe und nach Sicherheit und geraten dabei in eine
gegenseitige Abhängigkeit, in der das was sie von einander wollen nur um den Preis des Verrats möglich ist.
Regisseur Christian Petzold („Die innere Sicherheit“; „Wolfsburg“; „Gespenster“; „Yella“) erzählt in Jerichow eine Dreiecksgeschichte, in der sich Sehnsüchte in einem anderen, tieferen Traum brechen. Auf der Landstraße des deutschen Nordostens, in den Wäldern dieses weiten Landes und an den Klippen über dem Meer entfaltet sich ein Drama, in dem eine klassische Konstellation des Kinos eine kühne Neubedeutung erfährt. Zwischen Schuld und Freiheit, Leidenschaft und Kalkül liegen die Wünsche, deren Erfüllung einem Fluch gleichkommen kann.
Mit seinem Film „Jerichow“, der für den Deutschen Filmpreis nominiert wurde, ist Petzold eine faszinierende Fortschreibung seiner Filmographie gelungen, mit unnachahmlichem Blick auf Landschaften vorgetragen, mit knappen Strichen skizzierte Lebenswelt und Arbeitsalltag – und wenn man Generationen später wissen will, wie es in diesem Land aussah, was die Menschen gemacht und wie sie gefühlt haben, dann wird man es hier finden. Weil seine Neugier auf das, was abseits der Filmvorbilder liegt, eben doch viel größer ist als sein Interesse an dem, was sie als Spur vorzeichnen.
Das Zebra Kino zeigt den Film im Rahmen des Konstanzer Wissenschaftsjahres am 24.7. im Rheinstrandbad