In den Nuller Jahren kann es kein Berlin mehr ohne Herrn Lehmann geben. Zumindest nicht in der Filmlandschaft. Kaum ein anderer Film porträtiert so liebevoll und unterhaltsam das Leben in Westberlin vor der Wende und bietet mit einzigartigen Charakteren ein Bild einer schräg-verschrobenen (Wahl-)Berliner Mentalität.
Kreuzberg kurz vor dem Mauerfall ist der Schauplatz der Geschichte um den miesepetrigcholerischen und doch so liebenswerten Barkeeper Herr Lehmann. Zwischen Freunden und Stammkunden, schönen Köchinnen und dehydrierten Künstlern, Schwulenbars und Kultlokalen laviert sich der Fast-Dreißiger durch die Tücken des meist erst spät nachmittags beginnenden Alltags. Man hat sich auf der Insel Westberlin eingerichtet, Kreuzberg als Mittelpunkt der Welt wird ungern verlassen und die Kleinstadtatmosphäre durch das Jederkennt-Jeden-Phänomen und paranoid aufgeladenen Klatsch und Tratsch über Kristallweizen trinkende Fremde unentwegt geschürt.
Ein Wiedersehen mit Herrn Lehmann lohnt sich besonders zum festlichen Anlass von 20 Jahren Mauerfall, denn eben dieses Ereignis wird im Film gleichermaßen als Schlusspunkt, Wendepunkt und Ort der Neuorientierung und Vergebung inszeniert. Die Charaktere der Buchvorlage ideal besetzt, egal ob mit Christian Ulmen in seiner ersten großen Rolle oder mit Altmeister Detlev Buck als schrulliger Gastwirt-Schrägstrich-Künstler; die Drehorte atmosphärisch-berlinerisch; die Dialoge absurd-abgründig bis tiefgründig.
Und die Moral von der Geschicht?
Scheiß der Hund drauf…
