Kennen Sie „bangs“? Das waren die Figuren aus den Überraschungseiern, die man selbst zusammenbauen musste und die, wenn man sie angeschubst hat, beständig ihren Kopf auf- und abgeschüttelt haben (das Verb dazu im Fachjargon heißt übrigens „headbangen“).

Einmal im Jahr wird das gerade mal 2000 Einwohner zählende Wacken in Schleswig-Holstein zum Mittelpunkt der internationalen Headbanger-Gemeinde. Während des renommierten Wacken Open Airs stehen den wackeren Eingeborenen gut 40 000 ausgewachsene Schwermetaller gegenüber, denen der Sound nicht laut und die Rückwärtsbotschaft nicht satanisch genug sein kann. Was die Bildzeitung mit „Invasion des Bösen“ übertitelt, ist nur eine Begebenheit, die sich alljährlich ohne nennenswerte Schäden abspielt und hier in einer verblüffenden Doku festgehalten wurde.

Dabei ist die gezeigte Begegnung der Einheimischen mit den wilden Horden für sich schon skurill. Der Bericht darüber aber ist gerade zu charmant. Die Regisseurin hat koreanische Wurzeln und steht beiden Seiten gänzlich unvoreingenommen gegenüber. Auf beiden Seiten stechen „Stammes-Eigenarten“ ins Auge. Im Aufeinandertreffen herrscht eine seltsame, sich irgendwie vernünftig ausnehmende Logik. Im Endeffekt ist eine witzige, mit dem Max-Ophüls-Preis ausgezeichnete
Doku entstanden, die nach Heavy Metal auf dem Lande (letztes Jahr im Zebra-Kino) abermals ein zwar seltsames, aber doch irgendwie schlüssiges Arrangement zwischen Jugend-Kultur, Rockmusik und ländlicher Auf- und Abgeschlossenheit zeigt.