UdSSR 1975; 106 min.; Regie: Andrej Tarkovskij; mit: Margarita
Terechova, Ignat Danil’cev, Larisa Tarkovskaja u.a.; FSK : ab 12

Aleksej erinnert sich im Krankenbett zurück an
seine Kindheit und die gescheiterte Beziehung zu
Natal’ja, mit der er einen gemeinsamen Sohn
hat. Der Natur loser Gedanken entsprechend fließen
in den Erinnerungs- und Traumbildern verschiedenen
Zeitebenen ineinander. Dabei scheint
sich das Schicksaal der Eltern in Alekseijs Leben
zu wiederholen. So wie seine Eltern ist auch er
mit einer gescheiterten Ehe konfrontiert; seine
Mutter in jungen Jahren und seine geschiedene
Frau weisen starke Ähnlichkeit auf (sie werden
von derselben Schauspielerin, Margarita Terechova,
verkörpert) und in seinem Sohn Ignat wiederholen
sich eigene Kindheitserlebnisse.

Andreij Tarkovskij montiert Bilder aus verschiedenen
Zeitebenen, verknüpft persönliche
Erinnerungen und Phantasien mit historischen
Dokumentaraufnahmen, Ausschnitten aus einer
sowjetischen Wochenschau oder Aufnahmen aus
dem spanischen Bürgerkrieg zu einem Gesamtbild,
das versucht, die Struktur von Erinnerung
und Zeit selbst festzuhalten.

Den Ausgangspunkt dieses Erinnerns stellt
dabei das Authentische dar: Vom präzise für den
Film nachgebauten Haus der Kindheit Tarkovskijs
bis zu den zitierten Gedichten seines Vaters
Arsenij Tarkovskij, ist „Der Spiegel“ durchzogen von
autobiographischen Details. Ein Bekenntnis,
nannte der Regisseur selbst diesen Film.
Mit seinem ersten Spielfilm „Ivans Kindheit“
gewann der in der UdSSR geborene Andreij
Tarkovskij den Goldenen Löwen in Venedig und
wurde auf einen Schlag international bekannt.
Das änderte aber nichts daran, dass er in seiner
Heimat mit Aufführverboten belegt wurde und in
zwanzig Jahren nur fünf Filme drehen konnte. So
wurde auch „Der Spiegel“ von der sowjetischen
Filmbehörde als zu „schwierig“ abgelehnt.
Tatsächlich handelt es sich um den wohl komplexesten
Film Tarkovskijs, ein verschlüsseltes
und vielschichtiges Werk, in dem jedoch die verschiedenen
sich gegenseitig kommentierenden
Ebenen mit hoher Kunstfertigkeit zu einer wunderbar
ausdrucksstarken und traumhaften
Bildwelt ineinander gefügt sind.

Wir zeigen dieses Gesamtkunstwerk des russischen
Kino-Poeten in Kooperation mit dem
Theater Konstanz zu dem Stück Der Drache von
Jewgeni Schwarz.

? Spieltermine: 19.03. bis 23.3. um 19 Uhr