Der Kongo, zweitlängster Strom Afrikas, schlängelt sich durch das Innere des Kontinents und mündet in den Atlantischen Ozean. Er ist Grenzfluss, Transportweg, Lebensader und Gefahrenbringer zugleich. Er ist Hoffnungsträger, Taufbecken und Trinkwasserspender. Er ist der Mittelpunkt der Dokumentation des bekannten belgischen Dokumentarfilmers Thierry Michel. Der Filmtitel ist in Anlehnung an Joseph Conrads Kolonialroman „Herz der Finsternis“ zu verstehen, worin eine Expedition in den afrikanischen Kontinent für den Protagonisten zu einer Reise in sein Inneres wird.

Durch fast unkommentierte Bilder und Landschaftsaufnahmen, in denen er die Akteure selbst zu Wort kommen lässt, legt Michel dem Zuschauer die Landesgeschichte und das aktuelle Geschehen in der Demokratischen Republik Kongo dar. Dafür begibt er sich auf die Reise von der Mündung des Stroms landeinwärts bis zur Quelle des Kongos, wo er auf die Kongolesen trifft, die sich zu Hunderten auf ein Schiff drängen, und auf den Kapitän, einen knallharten Geschäftsmann. Seine Passagiere harren monatelang auf dem Schiff aus, um ihr Glück in einem anderen Winkel des Landes zu finden. Tradition und Moderne, Hoffnung und Realität kommen hier zusammen. Die Reise geht auch über Land, denn nicht überall ist der Kongo befahrbar.

Mit Rückblenden, zum Teil mit Originalmaterial von afrikanischen Staatsführern und Dokumenten über Wissenschaftler und Kolonialherrscher, verdeutlicht Michel die Entwicklung des Landes von der Kolonialzeit bis heute. Sozialkritisch wird alles dokumentiert: Die Kinderarbeit bei der Kupfersuche und die von Gewalt traumatisierten Frauen. Michel dringt immer weiter vor, sowohl in der Ergründung der kongolesischen Geschichte, als auch zur Quelle des Kongoflusses selbst. Die Etappen zu Land und zu Wasser verdichten sich schließlich zu einem stimmigen Bild des Landes und überwinden jedoch dadurch „die Finsternis“.