Lizzie Bordens Debütfilm Born in Flames aus
dem Jahr 1983 darf – wie Derek Jarmans Sebastiane
– als ein epochales Meisterwerk bezeichnet
werden. Während Jarman einen Blick zurück
wirft und antike Urszenen homosexueller Begierde
wie christlich motivierter Entsagung aufsucht,
siedelt Borden ihre Arbeit in einer Zukunft an,
die trotz aller Bekenntnisse zur eigenen Fortschrittlichkeit
weiterhin im Kern patriarchalischen
Gesetzmäßigkeiten folgt.

Ein großer Teil der Faszinationskraft des
Films lässt sich auf die ausgeklügelte Themenperspektivierung
zurückführen: Die sozialdemokratische
US-Regierung feiert das zehnjährige
Jubiläum der „sozialistischen“ Revolution, Parteibonzen
und Establishment klopfen einander auf
die Schulter und alle zusammen plustern sich
mit stolzgeschwellter, patriotischer Brust auf. Im
Mittelpunkt stehen nun verschiedene Fraktionen
des weiblichen Widerstands gegen das Regime,
die sich jeweils anderer medialer Verstärker bedienen,
um ihrem Unmut Ausdruck zu verleihen.

Eine erste Zuspitzung erfahren ihre Aktivitäten,
nachdem die bekannte Oppositionelle
Adelaide Norris bei ihrer Rückkehr aus dem Ausland verhaftet
wird und unter mysteriösen Umständen in
Polizeigewahrsam verstirbt. Die Women’s Army,
die auf Fahrrädern die Straßen ihres Viertels patrouilliert,
um gewaltsamen männlichen Übergriffen
Einhalt zu gebieten, versucht nun, eine
gemeinsame radikale Front zu schmieden.
Anfänglich wird diesem Ansinnen mit einer
gewissen Skepsis begegnet. Sowohl die militante
Isabel, die den Piratensender Radio
Ragazza leitet, als auch Honey vom gemäßigten
Phoenix Radio fürchten um den Verlust ihrer politischen
Glaubwürdigkeit.
Eine vierte Position, gleichsam aus dem Bauch des Walfischs, besetzen
die drei Redakteurinnen des regierungsnahen
Youth Socialist Review. Zu Beginn kritisieren
sie aus einer intellektualistischen Perspektive
die Aktionen der Women’s Army und
der Piratenradios, stellen aber mit der zunehmenden
Gewalt seitens des Staatsapparates
fest, dass eine innersystemische Opposition
kaum mehr haltbar ist und solidarisieren sich
mit ihren Schwestern im Kampf gegen die staatliche
Repression, der in einem Anschlag auf die
Sendemasten des World Trade Centers seinen
unheimlichen Höhepunkt findet.