Die Kamera fliegt über einen dichten, sattgrünen Wald, dann über ein Feld, über die rotbraune, fruchtbare Erde. Ein Baum steht vereinzelt, frei. Der Wald und das Feld: Das sind die zwei Sphären, die in Birdwatchers aufeinander prallen. Sie verweisen auf die Welt der Indianer und auf die der Großgrundbesitzer, auf die Welt derer, die schon immer hier waren, und die Welt derer, die vor drei Generationen kamen, um den Wald in Feld zu verwandeln, bis nur mehr einzeln stehende Bäume übrig blieben. In Birdwatchers lässt Marco Bechis zwei völlig konträre Kulturen aufeinander treffen.

Eine Gruppe Ureinwohner ist ihres Lebens im Reservat überdrüssig. Es gibt kaum Arbeit, und die ausbeuterischen Bedingungen der Großgrundbesitzer haben schon einige Indios Selbstmord begehen lassen. So beschließen sie unter der Führung von Nadio Land zu besiedeln, das einst ihren Vorfahren gehört hat. Doch das konkrete Zusammentreffen der Farmer und der Ureinwohner ist von Sprachlosigkeit gekennzeichnet. Beide wissen nicht, wie sie miteinander kommunizieren können.

Nüchtern und unprätentiös inszeniert und ohne auf einfache Polemik zu setzen, lässt uns der italienische Regisseur Marco Bechis in die einzigartige Atmosphäre des brasilianischen Regenwaldes eintauchen. Ihm gelingt ein atmosphärisch außergewöhnlich dichter Film von hypnotischer Intensität, dessen Sog man sich nur schwer entziehen kann. Er nimmt uns mit auf eine Reise ins Herz des Regenwaldes und ins Innere der Natur. Birdwatchers verzichtet auf viel Dialog. Er zeigt in aller Ruhe und Ausführlichkeit das Leben in der Gruppe der Indios, deren Pflichten und Aufgaben.
Bechis zeigt auch eine besondere Sensibilität für Töne. Geräusche vorbeifahrender Autos etwa sind sehr deutlich zu hören, sowie Musikfetzen, Motoren. All diese Geräusche scheinen in die Natur einzudringen, für die stellvertretend auch die Gemeinschaft der Indios steht, die versuchen ein möglichst Natur verbundenes Leben zu führen.