Prinzessinnenbad

„Ich komm aus Kreuzberg, du Muschi!“ Nicht gerade der Stadtteil, in dem der regierende Bürgermeister seine nicht existenten Sprösslinge zur Schule schicken würde. Aber nicht erst seit dieser „unglücklichen Äußerung“ gilt der Bezirk mit seinem hohen Migrantenanteil als sozialer Brennpunkt. Und inmitten all dessen gehen drei junge Frauen ihren Weg, nicht ohne Schleifen und
Rückschläge, aber ohne sich um solches Gerede zu scheren. Zwischen Prinzenbad und Görlitzer Park spielt sich das Leben der drei
15-jährigen Protagonistinnen Mina, Tanutscha und Klara ab. Nach jahrelangen Vorgesprächen und einjähriger Drehzeit entstand ein Dokumentarfilm über das Erwachsenwerden, der das Weltbild dreier Mädchen und zugleich das Lebensgefühl eines multikulturellen Stadtteils spiegelt.
Bettina Blümner begleitet das Trio mit der Kamera auf seinen Streifzügen durch Kreuzberg, beim Klönen, auf Partys, beim Flirten. Gekonnt verhindert die Regisseurin den Film zu einer belehrenden Milieustudie zu machen. Im Gegenteil, gelingt Prinzessinnenbad vielmehr ein unvoreingenommener Blick auf eine junge, unpolitische Generation, die etwas orientierungslos ins Erwachsenenleben stolpert. Obwohl sie sich selbstsicher geben und die Alltagsprobleme mit beachtenswertem Pragmatismus meistern, mangelt es dennoch an Ehrgeiz und Zielstrebigkeit bei der Berufsbildung. Entwaffnend offen erzählen die Mädchen von ihren abwesenden Müttern und Vätern, der Ausbildung, Sexualität, Drogen und Liebe. So lassen sich mit dem Film nicht nur die Lebensverhältnisse im Soziotop Kreuzberg thematisieren, sondern darüber hinaus auch Geschlechterrollen und Kulturgrenzen. Dabei entsteht ein Mosaik aus individuellen Geschichten, das dennoch viel über die Gesellschaft, in der wir leben, erzählt.

Wir zeigen den Film in Kooperation mit Bundesfachschaftstagung ausgerichtet von der Fachschaft Soziologie der Uni Konstanz.