Madonnen

Die Verwahrlosung von Kindern ist und war
schon immer ein gesellschaftliches Faktum,
auch in Deutschland. Kinderärzte, Jugendämter
und die Politik suchen nach Lösungen, während
Vertreter der Boulevardpresse die E ltern verurteilen
und damit ein konservatives Mutterbild
pflegen, das dann auch noch durch schlimme
Vorfälle legitimiert wird.
Ohne den ersten Stein zu werfen, legt Maria
Speth einen gänzlich unaufgeregten Film vor, der
ein zeitgemäßes, wenn auch (ikonographisch)
provozierendes Madonnen-Bild zeichnet. Rita
(Sandra Hüller), Madonna im blauen Kapuzenpulli,
ist Mutter von fünf Kindern von verschiedenen
Vätern. Mit ihrem Kleinsten ist sie auf der
Flucht vor der Polizei und „besucht“ ihren Vater,
den sie vorher nie kennen gelernt hat. Dieser
hat selbst eine kleine, gut funktionierende
Familie. Sie stillt ihr Kind – und dann ihren Halbbruder,
der eigentlich nur mal probieren wollte.
Der an sich harmlose Akt wird entdeckt und zum
Vorfall, der ihren Vater dazu bringt, sie an die
deutschen Behörden auszuliefern und Rita verbüßt
ihre Strafe im Mutter-Kind-Vollzug. Aus dem
Gefängnis entlassen, holt sie die anderen Kinder
bei ihrer Mutter ab und zieht mit ihnen in eine
Drei-Zimmer-Wohnung in Frankfurt. Sie erfährt
Unterstützung von Marc (Coleman Swinton),
einem afroamerikanischen Soldaten, den sie
während
ihres Freigangs kennen gelernt hat.
Schnell werden ihr die Kinder und die Beziehung
zur Last, die sie an ihre älteste T ochter, die 12-
jährige Fanny (Luisa Sappelt), weitergibt. Dennoch
gelingt es Marc, der nicht einmal richtig
deutsch kann, einen Zusammenhalt herzustellen.
Alle Männer in Ritas Leben, ihr Vater und
die verschiedenen Väter ihrer Kinder, sind verschwunden
und nun läuft Marcs Dienstzeit ab.
Das Zebra zeigt Madonnen in Kooperation
mit dem Weitwinkel-Kino in Singen in der gemeinsamen
Reihe „Junger deutschsprachiger Film“.
Madonnen ist der zweite Spielfilm von Maria
Speth und wurde auf Anhieb vornominiert für
den Deutschen Filmpreis 2007.