Lars und die Frauen

Aufstehen, zur Arbeit gehen, Fernseh schauen
und am Sonntag in der Kirche beten. Und wenn
man dann auch noch eine kleine Wohnung in der
Garage des E lternhauses sein eigen nennen
darf, na dann: Willkommen Tristesse!
Überschaulich langweilig gestaltet sich der Alltag
des schüchternen E inzelgängers Lars. Zumindest
bis die wunderschöne Bianca in sein Leben
kommt.
Gut, Bianca ist etwas anders als andere
Frauen und dies liegt wohl vordergründig an ihrem
Silikonkörper. Aber die Gummi- Maid aus
dem Internet ist für den Außenseiter mehr als
nur ein ordinäres Sexspielzeug. Bianca ist nicht
einfach nur ein lebensgroßes gefühlsechtes
Real-Girl mit Raketenbrüsten, beigelegten Gleitmitteln
und einem schillernden Lebenslauf
(„halb Dänin, halb brasilianische Missionarin“).
Bianca kann eine Freundin sein, wenn man sich
Mühe mit ihr gibt, sie richtig versteht. Und das
tut Lars. Er liest ihre Gedanken, lacht über ihre
Witze, nimmt sie in Schutz und erklärt ihr die
Welt. Irritiert von dieser LiebesDollheit suchen
Lars’ Bruder und dessen Frau eine Ärztin auf,
um dem Wahnsinn Einhalt zu gebieten. Doch die
einzige Möglichkeit Lars zu helfen ist die völlige
Integration Biancas in das öffentliche Leben.
Und so beteiligt sich der ganze Ort an diesem
absurden Puppenspiel: Man zieht Bianca zur
Gemeindearbeit heran, mithilfe eines CD-Players
liest die Sex-Puppe, die Lars am liebsten in pastellfarbene
Norweger-Pulli und viel zu weite Karottenjeans
steckt, Kindern stundenlang etwas
vor. Sie arbeitet ehrenamtlich im Krankenhaus
und verdient sogar als Schaufenstermodel eine
Kleinigkeit hinzu. So hätte es wohl fröhlich weitergehen
können, doch selbst für den kauzigen
Stoffel scheint irgendwann eine Rückkehr in die
wirkliche Welt unumgänglich.
So ungewöhnlich der Film auch auf den ersten
Blick daher kommt, so schafft Craig Gillespie
mit der Zeit ein allzu menschliches Porträt ganz
gewöhnlicher Bedürfnisse. Ein Film voller verhuschter,
eigenbrötlerischer Gestalten, die unter
hässlichen Wollmützen in eine Welt hineinlugen,
die es trotz Suff und Lethargie am Ende immer
gut mit ihnen meint.