Young-goon lutscht zum Frühstück an Batterien, spricht mit Kaffeeautomaten, trägt unverdrossen die Zahnprothese ihrer Großmutter – und sitzt nun, nachdem sie sich zur Aufladung ihrer Akkus intravenös an eine Stromleitung anschlossen hat, konsequenterweise in der Psychiatrie. Das Mädchen glaubt, sie sei ein Cyborg.
Die Geisteskrankheit liegt wohl in der Familie. So hält sich Young-goons Großmutter für eine rettichfressende Maus, die von den „weißen Menschen“ (Ärzte) entführt wurde und derzeit in einer Anstalt haust. Nun muss Young-goon nur noch ihre Aufgabe à la Terminator erfüllen: Alle „Weißen“ müssen massakriert werden. Leider ist ihr Akku noch nicht weit genug aufgeladen…
Im psychotischen Asyl ist Young-goon nicht allein. Chan-wook Park bettet das Mädchen in ein gestörtes Universum exzentrischer Charaktere, in dem der eine rückwärts laufend um Verzeihung bittet und die Nächste dank der elektrischen Ladung ihrer Socken fliegen kann. Aber es ist vor allem der selbsterklärte Seelendieb Il-soon, der zusehends Zugang zu ihrer verblümten Welt findet. So zeigt sich ganz im Stile von Benny & Joon, dass sich nur die wahrlich Verrückten verstehen.
Trotz der scheuen Romanze ist der körperliche Zustand von Young-goon besorgniserregend, denn humane Nahrung kann einem Cyborg ja nur schaden. Nun gilt es für Il-soon ihrem Hungertod entgegenzuwirken, indem er irgendwie Nahrung in Wechselstrom umwandelt. Er muss nur einen Weg zu ihrer Seele finden.
Park nimmt den optisch verspielten und kühlen Inszenierungsstil seiner vorangegangenen Rachetriologie auf und mischt diese mit surrealen Welten im Stile von Tim Burton oder Terry Gilliam. Doch die romantische Oberfläche erlaubt einen tieferen Blick in die widersprüchlichen Aspekte dieses verdrehten Liebesfilms. So haben die beschädigten Identitäten mit ihren charmanten Psychosen immer noch einen Fuß in der bitteren Realität, der es zu entkommen gilt. Park gelingt ein wahnsinnig-fantastischer Anstaltsfilm ohne Respekt für Normen und gängige Logik – ein absurder Film, bei dem man einem zarten Mädchen dabei zusehen darf, wie sie übers Kuckucksnest fliegt.
➔ Spieltermine: 07. bis 11.02., 20 Uhr

