Der 17-jährige Hallam hat ein außergewöhnliches
und wenig populäres Hobby: Er beobachtet
gerne fremde Menschen, ohne dass diese
davon wissen. Nachts schleicht er durch das
heimatliche Provinznest und knackt gerne mal
das eine oder andere Türschloss, um sich Zutritt
zur privaten Lebenswelt der Dorfbewohner zu
verschaffen. Aber auch sonst ist dieser Junge
ziemlich schräg drauf. Aus Protest gegen die
Anwesenheit der für ihn verhassten und zugleich
begehrenswerten Stiefmutter, der ehemaligen
Sekretärin seines Vaters, lebt Hallam in einem
kleinen Baumhaus nahe des väterlichen Anwesens,
trägt gelegentlich ein Waschbärenfell als
Kopfbedeckung
und versucht, obsessiv das
Andenken der unter unklaren Umständen verstorbenen
Mutter zu bewahren.
Als nun ausgerechnet die „Neue“ sein geheimes
Tagebuch findet und damit droht, Hallam
im Dorf zur persona non grata zu machen, ist
dieser gezwungen, ohne Plan und völlig abgebrannt
nach Edinburgh zu flüchten. Ein neues
Leben beginnend lässt sich Hallam orientierungslos
von der Strömung der Stadt treiben.
Doch das Schicksal spült ihm aus der überbordenden
Menschenmenge einen unverhofften
Schatz vor die Füße. Kate ist ein unwiderstehliches
Faszinosum für den frühreifen Voyeur, der
sich ohne nachzudenken an die Versen der jungen,
attraktiven Frau heftet, plötzlich in ihrem
Büro steht und sich verblüffend charmant für einen
Job als Küchenhilfe bewirbt, nur damit er
sich ihr sukzessive nähern kann. Wurde eigentlich
schon erwähnt, dass Kate Hallams verstorbener
Mutter zum Verwechseln ähnlich sieht…?
David Mackenzie ist mit Hallam Foe etwas
gelungen, was wenige Regisseure ernsthaft versuchen
und worin noch wenigere reüssieren. Mit
sensiblem und mühelos wirkendem Duktus malt
er eine interessante und überzeugende Geschichte,
die von mindestens zwei gesellschaftlich
tabuisierten Topoi erzählt, ohne dabei in
hochstilisierte, modisch affektive Attitüden zu
verfallen; oder die Glaubwürdigkeit seines tragischen
Helden zu opfern, indem die grundlegende
Thematik zu Gunsten kompensatorischer
Nebenhandlungen fallengelassen wird.

? 04.06. an der Universität Konstanz
in Kooperation mit AstA- Kino und dem
zwofuffzich kino (bei Regen im Audimax)