Das „Exotica“ ist ein ganz besonderer Nachtclub
in Toronto, ein Traum von Sex und Erotik. Hier
treffen sich Verlorene und Voyeure, wie der seit
dem Tod seiner Tochter zerstörte Francis (Bruce
Greenwood), der immer wieder kommt, um die
nymphengleich-schöne Christina (Mia Kirshner)
in ihrer Schuluniform tanzen zu sehen. Wie die
anderen Gäste muss er sich damit abfinden,
dass er sie für ein paar Dollar ansehen, aber
nicht anfassen darf. Im Club ist alles ritualisiert
und strengen Regeln unterworfen, die Sicherheit
schaffen und doch eine Art von Intimität zulassen,
die ein Ersatz sein kann für alle Verluste,
die man in der realen Welt erlitten hat. Mit der
Musik von Leonard Cohen wird dieses Gefühl
der Einsamkeit noch verstärkt.
Atom Egoyan hat seinen poetischen Film
selbst in einem Interview mit einem Striptease
verglichen. Zunächst wird der Zuschauer mit
einem Ensemble von Figuren konfrontiert, die
sich einem schnellen und einfachen Verständnis
entziehen. Sie alle stellen zunächst einmal ein
Geheimnis dar, das vorschnelle und falsche
Vermutungen geradezu herausfordert. Erst mit
der Zeit und wachsendem Verständnis werden
auch die Bilder und die Geschichte selbst immer
klarer, bis sich alles – wie in einem Psycho-
Puzzle – zu einem Netz mehr oder weniger zufälliger
Begegnungen und Abhängigkeiten zusammenfügt.
Egoyan, dessen Eltern aus Armenien stammen,
ist in Kanada aufgewachsen und zählt dort
zu den bekanntesten Autorenfilmern. Sein internationaler
Durchbruch gelang ihm mit seinem
Film Exotica, der in Cannes 1994 als Bester Film
ausgezeichnet wurde.