Rubens Beruf ist Leibwächter. Er ist wie ein
Schatten, der niemals ruht. Tags über hält er
sich immer in Schlagdistanz zum Schutzbefohlenen
Minister auf. Er umkreist ihn, beobachtet
die Umgebung, immer wachsam auf der Suche
nach potentieller Gefahr. Er vollzieht jede Handlung
und Bewegung mit, die der Minister macht.
Dennoch nimmt kaum einer Notiz von ihm. Er ist
einfach da. Alles scheint sich einen Meter vor
ihm abzuspielen, ohne dass er involviert ist. So
ist sein Leben, monoton und fremdbestimmt.
Ruben hat keine Frau und keine Freunde. Außer
einer labilen Schwester und einer überdrehten
Nichte ist er allein. Kurz gesagt: Er kann keine
Freude für sein Leben empfinden. Er ist ein
Fremder im eigenen Leben, sein Beruf überlagert
und verdrängt alles andere. Solch ein Lebensstil,
wie Ruben ihn pflegt, führt zwangsläuft
zu Situationen explosionsartiger Befreiung, auf
die Ruben konsequent und unausweichlich zusteuert,
die ihn aber schließlich wieder zum
Akteur im eigenen Leben werden lässt.
Rodrigo Moreno ist es gelungen, einen Film
zu schaffen, der die Zuschauer in zwei Welten
führt und ihnen ermöglicht, sich in Rubens
Zwiegespaltenheit hinein zu fühlen. Die eine
Welt ist ein stiller und farbloser Ort, der durch
kaltes Licht, dunkle Anzüge, makellose Autos
und eine gewisse Sterilität dargestellt wird, wie
sie typisch für die Umgebung eines Ministers
ist. Die andere Welt zeigt sich privat und intim,
in ihr wird das Gemäßigte vom Chaos abgelöst.
Die Orte sind klein und schäbig, das Licht gedämpft.
Der Ton gibt die Geräusche einer Realität
wieder, die sich aus Polizisten, Kranken,
Waffenhändlern und chinesischen Restaurants
zusammenfügt. Nicht umsonst ist dieser Film
auf verschiedenen Filmfestspielen mit Preisen
belohnt worden, unter anderem auf der Berlinale
2006 mit dem Alfred Bauer Preis. Der Lateinamerikanische
Film zeigt sich hier von seiner
besten Seite und macht neugierig auf mehr.