Ein riesiger Dampfer liegt gleich einem toten Wal
auf der Sandbank von Chittagong, auf dem Weg
dorthin bewegen sich winzig kleine Punkte, wie
eine Ameisenstraße. Der nähere Blick verrät: Es
ist eine Menschenkette. Barfuss und halbnackt
stapfen die Arbeiter durch den Matsch auf den
Ozeanriesen zu.
Eisenfresser beschreibt die Bauern, die aufgrund
der Hungersnot, ihre Heimat im Norden
Bangladeschs verlassen müssen, um als
Saisonarbeiter auf den Schiffswrack-Werften im
Süden des Landes anzuheuern. An den Stränden
von Chittagong zerlegen sie von Hand ausgemusterte
Containerschiffe aus den Industrieländern.
„Lohakhor“ werden sie genannt, was soviel heißt
wie „Eisenfresser“. Sie arbeiten unter schwersten
Bedingungen extrem hart für wenig Geld. Am
Ende der Saison haben sie sich dennoch schwer
verschuldet. Oft bleibt nicht einmal genug Geld
für ein Rückfahrticket in den Norden.
Der bengalische Filmemacher Shaheen Dill-
Riaz begleitet die Arbeiter mit der Handkamera
von ihrer beschwerlichen Anreise bis in den
Schlamm der Werft, in die Schiffsbäuche und die
kargen Unterkünfte. Fünf Monate hat der
Regisseur, der unter anderem ein Studium in
Kameraausbildung an der Filmhochschule
„Konrad Wolf“ in Potsdam absolviert hat, dicht
an dicht mit den Arbeitern gelebt und gefilmt.
Allerdings schaut er ihnen nicht nur über die
Schulter, sondern er zeigt auch die „Eisenfresser“
aus der monumentalen Totalen, um den Wahnwitz
des halsbrecherischen Unternehmens zu unterstreichen.
Unvergesslich sind jedoch die mit großer
Ruhe und Poesie montierten Bilder.
Der Regisseur wuchs selbst in der Nähe von
Chittagong auf und kennt die schlimmen
Geschichten über die Werftarbeiter aus seiner
Kindheit. Mit seiner Dokumentation möchte er
den ungezählten Arbeitern und Opfern seinen
Respekt erweisen und das ausgeklügelte, menschenverachtende
System anprangern.
2007 gewann Dill-Riaz den ersten Platz des
Eine-Welt-Filmpreises NRW. Die Jury lobte den
Film, als „ein Lehrstück über Ausbeutung und
abhängige Arbeit, die keinerlei Rücksicht auf
Leben und körperliche Unversehrtheit der
Arbeiter nimmt.“