Spätestens seit Max Goldt wissen wir um denkleinen
Unterschied zwischen Sarkasmus und
Zynismus: Sarkasmus gut – Zynismus schlecht!
Während gelangweilter Sarkasmus den Trendsport
der 90er-Jahre Yuppies mit gesegnetem Intellekt
und rhetorischem Vermögen darstellt, ist
letztere Haltung unangenehm nah am tatsächlich
beschissenen Teil des Lebens-Erdballs. Unangenehm
real. Unangenehm faktisch. Unangenehm
ohne Blümchentapete und
„wird-schon-wieder“s. Und deshalb schlecht!
Eben: UNANGENEHM!
Wie die meisten skandinavischen Filme ist
auch das Regiedebüt von Bard Breien im privaten
Raum angesiedelt. Um genauer zu sein,
im Wohnzimmer des nach einem Unfall im
Rollstuhl sitzenden 33jährigen Geirrs (Fridtjov
Saheim). Der Hauptprotagonist gibt das Paradebeispiel
des (zurecht?!) selbstmitleidigen Opfers:
Er widmet sich intensiv dem Graskonsum
und apokalyptischem Filmmaterial. Er zelebriert
sein Leiden um die Ungerechtigkeit, die ihm widerfahren
ist im größtmöglichen Stil – inklusive
Trinkerei und autoagressiven Handlungen. Er leidet,
wie es im Buche steht. Er leidet wie es ihm
zusteht. Findet er. Findet sie aber nicht. Sie ist
Ingvild (Kirsti Eline Torhaug), seine Frau. Und sie
will Geirr helfen. Um ihn und sich wieder in ein
halbwegs normales Leben zurück zu führen, lädt
sie die Therapeutin Tori (Kjersti Holmen) mit ihrer
Horde von vom Leben gebeutelter, tragischer
Personen zu ihnen nach Hause ein. Gruppentherapie
ist angesagt.
Doch schon bald muss der extrem gut gelaunte,
positiv denkende und herrlich optimistische
Sonnenschein von Therapeutin erkennen,
dass die Fahrt des Gute-Laune-Triumphzugs
im Haus von Geirr zu Ende ist. Schluss mit
Lustig. Denn der Hausherr ist in keinster Weise
an einer Aufmunterung oder gar an einer
Gehirnwäsche in Richtung „Alles-halb-so-wild“
interessiert. Ganz im Gegenteil. Und er zieht die
Gruppe mit in seinen negativen Vibes mit…zu
deren (wenn man so will) Begeisterung.
Das Breien sich bei diesem Thema des
Genres der Komödie bedient, ist mutig und lobenswert.
Denn filmisch gesehen, bietet Die
Kunst des negativen Denkens (wie vom skandinavischen
Kino gewohnt) einen angenehmen
Ausgleich zum fidelen „Happy-Go-Lucky“-Kino
der restlichen Welt und bedient die Erwartungen
Seite 10 Aktueler film
wie gewohnt mit reduzierten technischen Mitteln
und extrem viel Gehalt. Und dankenswerter
Weise viel Humor! Wenn man ihn teilt…

? Spieltermine: 20.11. und 23.11. jeweils um
20 Uhr, 22.11. und 24.11. jeweils um 19 Uhr