In seiner Schwerelosigkeit sei der Mond der ideale
Zufluchtsort für diejenigen, die ein schweres
Leben führen, meinte einst der Raumfahrtvisionär
Konstantin Ziolkowski. Dies trifft die Lebenssituation
des kanadischen Träumers Philippe
auf den Kopf: Auch nach dem Tod seiner Mutter
lebt er noch in der Wohnung seiner Eltern, kümmert
sich um deren Nachlass, den Goldfisch Beethoven,
und schlägt sich mit seinem homosexuellen
Bruder herum, der in seinen Augen nicht
nur blasiert, sondern unverschämterweise auch
noch erfolgreich ist. Seinen spärlichen Lebensunterhalt
verdient Philippe durch einen Job im
Callcenter – natürlich „nur für kurze Zeit“, und
das schon seit Jahren. Doch eigentlich will
Philippe viel weiter hinaus, bis zu den Sternen
oder genauer gesagt bis zum Mond: Er möchte
endlich seine Doktorarbeit durchsetzen, die den
Narzissmus des Menschen im Spiegel des
Mondprogrammes
beleuchtet. Und so baut Philippe
Raketen aus Thermoskannen und Bleistiften,
diskutiert das Raumfahrtprogramm mit
Kellnern, hebt in seinen Träumen in den Weltraum
ab und landet doch nur wieder in seinem
Alltag. Als eine russische Kosmonautendelegation
in seine kanadische Heimat reist und obendrein
das SETI -Programm dazu aufruft, Filmbotschaften
für das All zu drehen, sieht Philippe
endlich seine Chance, die Banalität seines Alltages
zu verlassen.
„Das unendlich Banale mit dem unendlich
Wesentlichen vereinen“: Die phantasievolle Filmsprache
des Regisseurs und Hauptdarstellers
Robert Lepage entfaltet ein Universum des
Alltags, das zwischen „schwerelos“ und „schwermütig“
die Schwebe hält. Eine verspielte Schnitttechnik
verwandelt dabei Waschmaschinen in
Raumkapseln oder lässt den Embryo im Mutterbauch
zum Astronauten werden. Telefonate
klingen mit stimmverzerrender Leitung wie
Mondbotschaften und eine einfache Steinesammlung
aus Philippes Kindheit wird zum Planetenmodell:
Jede Trivialität des Tagtäglichen findet
in diesem bis ins Detail durchkomponierten
Film ein Gegenstück im Weltraum, eben auf der
anderen Seite des Mondes. Mit einer ans
Surreale grenzenden Film-Traumtänzerei, die
den Vergleich zu Michel Gondry (the science of
sleep) nicht scheuen muss, rückt Robert Lepage
die Weite des Weltalls unendlich nah an den
Alltag.

? Spieltermine: 08.01. um 20 Uhr
09. und 10.01. um 19 Uhr, 11.01. um 20 Uhr,
12.01. um 19 Uhr