Die Welt war in Ordnung bei Rebecca (Susanne
Wolff), die sich mit ihrem Mann (Johann von
Bülow) in einer neuen Wohnung einrichtet. Sie
erwarten beide ihr erstes Kind und sind voller
Vorfreude und Aufregung. Doch als die Geburt
überstanden ist, weiß Rebecca nicht so recht
weiter, weiß nicht, was sie mit ihrem Sohn anfangen
soll. Hilflos und verzweifelt merkt sie mit
jedem Tag mehr, dass sie den Anforderungen
des Mutterseins nicht gewachsen ist. Ihr Kind
wird ihr immer fremder, bis Rebecca dessen
Anblick nicht mehr ertragen kann. Ihr soziales
Umfeld hingegen reagiert befremdet auf Rebeccas
fehlende Freude, während sie selbst niemandem
ihre Gefühlswelt anvertrauen kann. Wie
soll sie erklären, was niemand nachvollziehen
kann, selbst Rebecca nicht? Nach einem Zusammenbruch
erkennt allein Rebeccas Mutter,
was ihre Tochter braucht. Die Ärzte diagnostizieren
eine postpartale Depression aufgrund
schwangerschaftsbedingter
Hormonschwankungen.
Rebecca wird in eine Klinik eingewiesen
und beginnt ganz allmählich, sich nach ihrem
Sohn zu sehnen und spröde Worte für ihre eigene
Apathie zu finden.
Emily Atef schildert Rebeccas Weg aus der Krise
gegen den Widerstand ihres Mannes und einer
Gesellschaft, die fehlende Mutterliebe schmerzhaft
sanktioniert, in einer leisen Inszenierung
intimer Momente ohne überflüssige Melodramatik.
„Ich wollte aber nie nur einen Film
über eine Krankheit machen, sondern das ganz
persönliche Portrait einer Frau, die in eine tiefe
Krise stürzt.“, erläutert Atef. „Ganz besonders
das ihres Freundes Julian, der plötzliche und unerwartet
vor einer Katastrophe steht und innerhalb
von wenigen Wochen die Verantwortung der
Vaterrolle übernehmen muss.“
Kein schockierender Streifen, nicht brutal
und schonungslos, aber ehrlich. Emily Atef inszeniert
über die Schulterperspektive intime Einblicke
und wahrt dennoch Distanz zu den Figuren.
Dabei spielt Susanne Wolff überzeugend
mit verhaltener Intensität die Rolle einer emotional
isolierten unverstandenen Frau zwischen
Teilnahmslosigkeit,
Verzweiflung und schrittweiser
Annäherung.
Das Fremde in mir lief bereits auf den Festivals
von Cannes innerhalb der Sektion „Semaine
de la critic“, Montréal und Mar del Plata und gewann
Preise in Brüssel und auf dem Münchner
Filmfest.

? Termine: 04.12. und 08.12. um 20 Uhr
05.12. um 21:30 Uhr, 06.12. um 19 Uhr