Edward Bloom ist ein leidenschaftlicher Geschichtenerzähler – vor allem, wenn es sich um die wahrhaft magischen Ereignisse seines Lebens dreht. Als etwas zu leidenschaftlich empfindet dies allerdings sein Sohn William. Der straft die Anekdoten seines Vaters eher als vielfach gehörten und ewig wiederkehrenden Seemannsgarn ab.

Nach einem Streit herrscht schließlich für drei Jahre Funkstille zwischen Vater und Sohn. Erst als Edward augenscheinlich im Sterben liegt, kommen sich beide wieder näher: William wird doch noch einmal mit den bunten Geschichten seines Vaters konfrontiert, und er erkennt dabei, dass es nicht zwangsläufig auf eine Wahrheit hinter den Geschichten ankommt, sondern auf deren Seele.

Filmemacher Tim Burton ist bekannt für seinen Hang zum märchenhaften Kino. Er schafft es immer wieder, seine Leidenschaft mit der nötigen Kunstfertigkeit zu verbinden. Dies gelingt ihm auch in der Geschichte um Edward Bloom. Als charismatischer junger Mann verkörpert dieser das Ideal eines Allround-Siegestypen, der quasi in der Position eines „Enfant honorable“ seine Heimatstadt Ashton verlässt, um die Welt für sich zu entdecken und Großes zu vollbringen.

Eindrucksvolle Bilder gestalten dabei das für Burton eher ungewöhnlich farbenfrohe Panoptikum an Gestalten, Geschichten und Legenden – hier sprudelt ein wahrer Brunnen an Phantasie und er schafft, was vielen Erzählern nur selten gelingt: Eine sensible Gratwanderung zwischen Fiktion und Realität, die listig den Bedeutungsgehalt einer scheinbaren Wahrheit hinterfragt. Faszinierend ist die Leichtigkeit des Erzählens, mit der hier Stück für Stück eine unglaubliche Lebensgeschichte kreiert wird.