Der bärbeißige Lemmy Caution (Eddie Constantine) kommt mit seinem Ford Galaxie nach Alphaville, das irgendwo in der Milchstraße liegt,
um den vermissten Agenten Henry Dickson (Akim Tamiroff) zu suchen. In Alphaville regiert die Logik, oder genauer gesagt, Alpha 60, ein Computersystem, das die vollständige Unterwerfung des Individuums unter die Logik verlangt.

Die Sprache ist gereinigt von emotionalen oder poetischen Wörtern. Wer Gefühle zeigt, wird umgebracht oder in die Elendsviertel der Stadt verbannt, wo noch ein paar wenige Künstler und Poeten ihr schäbiges Dasein fristen. Poesie ist verboten, Kunst ausradiert und Kinosessel sind zu elektrischen Stühlen umfunktioniert.

Zwischen den „ausdrucksverhinderten“ Bewohnern („Mir geht es ausgezeichnet. Danke! Bitte!“) sucht hardboiled-„Außenweltler“ Caution durch Rauchschwaden und verkantete film-noir- und futuristisch invertierte Bilder nach seinem Vorgänger.

Auf der Suche verliebt er sich in Natascha von Braun (Anna Karina), der Tochter des Professors, der als einziger irgendwie Macht über
Alpha 60 zu haben scheint. Der verschrobene Caution erweist sich als logikresistent, schießt wild um sich, wenn er sich bedroht fühlt und bringt dennoch irgendwie die Idee der Liebe mit sich.


Alphaville wurde ohne speziell angefertigte
Kulissen gedreht. Die Zukunfts-Stadt ist das
Paris des Jahres 1965 und vereinigt in seiner
„Doppelzeitigkeit“ Gegenwartskritik (das Fehlen
der Liebe) und Negativ-Utopie im Orwellschen
Sinn (die Bewohner von Alphaville sprechen eine
Art Neusprech, jene von Orwell erfundene, künstlich
veränderte und manipulierende Sprache).
Bereits 1953 debütierte Eddie Constantine als
Lemmy Caution in Im Banne des blonden Satans
und legte damit den Grundstein für seine
Karriere. Lemmy Caution wird bei Godard zu
einem „Remix der Figur, eine Neuerfindung, eine
lobpreisende, postmoderne Immortalisierung , …
die Schablone des brutalen, aber doch charmanten
Spions, aus anderen Filmen und Groschenromanen
entliehen und zum Verursacher für
Panik, Action und Totschlag“ (Björn Last, Mitternachtskino).
Pulp und Kunst werden im Zitat-
Mix unter Godards federleichter Inszenierung zu
einer gewitzten, philosophischen Selbstreflexion
der Möglichkeiten des Kinos, für deren Auslotung
es nur „ein girl und eine gun“ braucht.