Prinzessin

Schauplatz: Plattenbausiedlung eines Kölner Vorortes zwischen Weihnachten und Sylvester.
Yvonne, Anführerin einer Mädchengang, muss auf Grund mehrfacher krimineller Auffälligkeiten für ein halbes Jahr in den Knast. Sie verbringt ihren letzten Tag in Freiheit mit ihren Freundinnen Katharina, Jenny und Mandy. Während Yvonne ihre auferlegten Zeitpläne „fluchtartig“ über Bord wirft und die Situation zu eskalieren droht, durchläuft Katharina eine persönliche Auseinandersetzung mit sich selbst, die sich unabhängig von einer bisher vertrauten Gruppendynamik entwickelt.
Dann, wenn man sich gegenseitig die Fresse poliert, ist man nicht gezwungen, die Zeit auf andere unnütze Art totzuschlagen. Es fühlt sich irgendwie an – und Gefühle sollten einem jedem Mädchen, das sich wünschte eine Prinzessin zu werden nicht abgesprochen werden. Verletzlichkeiten dürfen unter keinen Umständen nach außen getragen werden. Trotzdem tritt das Persönlichkeitsmuster eines jeden Gangmitglieds zu Tage, bricht den urteilenden Blick des Zuschauers und bleibt dabei dennoch fremd.
Wo und wie auch immer die vier Protagonistinnen einer Mädchenclique des Erstlingsfilms „Prinzessin“ von Birgit Grosskopf agieren, Gewalt, ob in verbaler oder physischer Form wird zum Selbstläufer in der eigenen Kampfzone.
Die Regisseurin bemüht sich jedoch nicht um ein konstruiertes Sozialdrama, sie erzählt nicht von einer Randgruppe und deren auswegslosen Lebenssituationen. Vielmehr schafft sie einen politischen Film einer neuen Unterschicht, am Beispiel der Innenansicht einer Gruppe von Mädchen, die durch ihr Auftreten den Wunsch symbolisieren ihrem Alltagssumpf den Rücken zu kehren.
Authentische Bilder rütteln wach oder nerven, sie sprechen jedoch unbeirrt für sich selbst. Beschreibend und nicht wertend, grausam, selbstbewusst aber nicht belehrend gelingt Birgit Grosskopf ein eindrückliches Kinodebüt.