Pingpong

Auf der Beerdigung von Pauls (Sebastian Urzendowsky) Vater bietet ihm sein Onkel an, dass er jederzeit in sein Haus kommen könne. Trotz der anfänglichen Abweisung kann sich Paul in der gutbetuchte Familie integrieren. Im Folgenden beschränken sich die Schauplätze auf den familiären Raum. Ohne Eile entfaltet der Regisseur eine Geschichte, die sich über verschiedene Personen-Konstellationen fortspinnt und zwangsläufig in eine fatale Situation führt, die alle Beteiligten irgendwie befördert haben und die doch keiner haben wollte.
Mathias Luttardt geht dabei nach dem Stil der ‚Berliner Schule’ formal stringent vor und setzt die filmischen Mittel sehr sparsam ein. Und auch hier muss man sagen, dass Matthias Luthart – wie bereits alle Filme dieser Reihe – unprätentiöse Filmkunst hautnah am Leben abliefert.
Im Bild ist zwar wenig, aber dafür nichts zufällig gestaltet. Die Schnitte sind bedacht und die musikalische Untermalung besteht ausschließlich in Roberts Klavierspiel. Klavierspiel und Tischtennis vermitteln ein harmloses Bild von Alltäglichkeit über der sich zunehmend ein bedrohliches Gefühl ausbreitet. Als Pauls Onkel verreisen muss, bleibt eine Dreierkonstellation zurück, die mehr und mehr an Halt verliert. Gegenüber ihrem Sohn Robert und dessen Klavierspiel, dem ihre ganze mütterliche Aufmerksamkeit gilt, ist Anna (Marion Mitterhammer) mehr gestrenge Lehrerin als liebevolle Mutter. Von Paul, dem Gast, den sie erst nicht wollte, nimmt sie zunehmend gerne Schmeicheleien und bewundernde Blicke an. Sie fordert diese geradezu heraus bis der emotional angeschlagene Paul sich Hoffnung auf mehr macht. Anna verliert die Kontrolle über das Spiel, Robert zieht sich zurück und Paul steckt irgendwo dazwischen – und das Ende der Geschichte sitzt.
Die Auszeichnung mit dem Drehbuchpreis in Cannes und die Nominierung für den Europäischen Filmpreis in der Kategorie Entdeckung des Jahres soll als weiterer Beleg dafür gelten, dass der Junge deutschsprachige Film, der vom Weitwinkel-Kino in Singen und vom Zebra-Kino gepflegt wird, richtig gutes Kino hervorbringt.