„It’s better to burn out than to fade away“ – mit diesem Satz von Neil Young beendete Kurt Cobain seinen Abschiedsbrief, bevor er sich am 5. April 1994 im Zenit seiner Karriere erschoss.
Gus Van Sant nimmt in Last Days, anders als seine dokumentarischen Pendants Abstand von den Fakten zum Leben von Kurt Cobain. Er liefert keine biografische Nacherzählung und keine Erklärungen, sondern imaginiert frei die letzten Lebenstage des fiktiven Musikers Blake. Doch die Ähnlichkeiten zwischen Blake und Kurt Cobain sind nicht von der Hand zu weisen.
In langen Einstellungen folgt die Kamera dem vor sich hin stammelnden Blake auf seinen Streifzügen durch den nahe gelegenen Wald oder beobachtet ihn, wie er durch sein Haus schleicht, immer darauf bedacht, keiner der anderen anwesenden Personen zu begegnen. Betritt sein Manager das Haus, flieht er gar zurück in den Wald, um nicht entdeckt zu werden. Ansonsten ist eine Flucht nicht nötig, denn seine Bandkollegen beachten ihn kaum. Obwohl Blake derjenige ist, von dem alle abhängen, ist er für sie wie ein Unsichtbarer. Es schient, als sei er nur noch Hülle: ein lebender Toter.
Allein der Kamera entgeht Blake nicht. Sie ist ständig versucht seine umherhuschende Gestalt einzufangen. Doch so sehr sie Blakes Handlungen minutiös einfängt, vermag sie es nicht die Distanz zwischen Blake und dem Betrachter zu brechen. Indem der Film sein Inneres nach Außen kehrt verweigert er sich gleichzeitig dem Zuschauer. Aber der Film verfolgt auch nicht den Anspruch diesen morbiden Charakter zu erklären. Sondern vielmehr durch die Häufung von bedrückenden Szenen das Bild eines lautlos schreienden Menschen entstehen zu lassen.
So trifft der Stil das Thema des Films auf den Punkt. Der Weg von der Drogenabhängigkeit in den Freitod ist nun mal nicht hektisch und spannend, sondern schleppend, verstörend und gänzlich ohne Glanz. Aber gerade das macht Last Days zu einer beeindruckenden Hommage an den langsam verblassenden Kurt Cobain. Nach Gerry und Elephant bildet Last Days nun den letzten Teil von Gus van Sants „Death Triology“.