NORWEGEN 2005; 84 MIN.; OMU; REGIE: SARA JOHNSEN; MIT: ANNIKA HALLIN, KRISTOFFER JONER, GÖRAN RAGNERSTAM, FRIDTJOV SÅHEIM; FSK: OHNE ANGABEN
Nach dem unerwarteten Tod ihres Sohnes, zieht es die schwedische Ärztin Victoria in ein norwegischen Dorf. Nach einigen Monaten, wird kurz vor Weihnachten ein toter Junge im Schnee aufgefunden. Die Polizei verdächtigt den Schneepflugfahrer Kai, doch Victoria zweifelt an seiner Schuld. Als die Ärztin daraufhin die Eltern des verunglückten muslimischen Jungen Darjosh kennen lernt – ein Immigrantenehepaar, das im Flüchtlingsheim untergebracht ist – und sie auch Kai durch eine Liebesaffäre näher kommt, formen sich Stück für Stück die einzelnen Puzzleteile und lassen den Tod des Jungen in einem anderen Licht erscheinen. Doch auch Victoria hütet ein Geheimnis… Was zunächst wie ein Kriminalfall beginnt, wendet sich zu einer spannenden Charakterstudie einer Frau, die mit ihrem Schicksal hadert.
Mit einem feinen Gespür für das menschliche Leid stellt die 1970 in Oslo geborene Regisseurin Sara Johnsen in ihrem Debütfilm die Frage nach der Grenze zwischen Verantwortung und Schuld. Im Stil der skurrilen Geschichten des norwegischen Kinos, wird der Zuschauer in ein geheimnisvolles nordisches Ambiente entführt. Hinter der weißen Schneekulisse ertönt eine leise Melancholie, doch ohne sich ins Sentimentale zu ergießen. Viel mehr wird eine feine Balance zwischen den differenzierten Perspektiven der Charaktere geschaffen und sachte ausgewogen. Mit „Kuss des Winters“ gelang der jungen Regisseurin ein großartiger Film, der als Vorschlag für den Auslands-Oscar gewürdigt wurde. Bereits Sara Johnsen Kurzfilme, die im Anschluss an ihr Regiestudium an der Norwegischen Filmschule in Lillehammer entstanden, wurden auf verschiedenen Festivals ausgezeichnet. Ihr preisgekrönter Kurzfilm „Houdinis Hund“ empfing auf den Nordischen Filmtagen in Lübeck 2003 auch vom deutschen Publikum viel Beifall.