Das Zebra Kino versteht sich schon seit jeher als Forum für das amerikanische Independent Cinema, und mit Junebug haben wir diesen Monat ein ganz besonderes Juwel im Angebot!
Auf den ersten Blick scheint es sich um ein old school-Familiendrama zu handeln, doch dem aufmerksamen Zuschauer wird bald klar, dass der Film sich mit einem der großen Themen amerikanischen Alltags beschäftigt, und zwar der erstaunlich großen Diskrepanz zwischen den Red states (Republikaner) and den blue states (Demokraten). Auch beinahe 150 Jahre nach Ende des civil war sind die Vereinigten Staaten ein zutiefst gespaltenes Land: zwischen den Yankees und den Südstaatlern klafft noch immer eine Lücke, breit wie der Grand Canyon.
Phil Morrisons Regiedebüt begibt sich an der Seite seiner Hauptfigur Madeline, einer Chicagoer Galeristin, die auf sogenannte Outsider-Art spezialisiert ist, auf die Reise ins Herz der Finsternis, nämlich den US-amerikanischen Süden. Den Geschäftstermin mit einem vielversprechenden Künstler verbindet sie, gemeinsam mit ihrem Ehemann George, mit ihrem ersten Besuch bei dessen Familie, die sich als der Alptraum jeder modernen, gebildeten Karrierefrau entpuppen. Es stoßen Welten aufeinander: auf der einen Seite die kultivierte Madeline, die in Japan aufgewachsen ist, auf der anderen Seite die Hinterwäldler, die ihren Bundesstaat noch nie verlassen haben.
Dass die Charaktere dabei nicht zu Karikaturen werden, ist dem Drehbuch Angus MacLachlans zu verdanken, dem deutlich anzumerken ist, dass er für beide Parteien Sympathie empfindet, wobei es so leicht wäre, die Hinterwäldler vorzuführen und der Lächerlichkeit preiszugeben.
Ganz ähnlich wie der Überraschungshit Garden State und der (noch) verkannte Imaginary Heroes ist Junebug einer dieser (leider äusserst raren) ‚kleinen großen’ Filme, der durch seine Echtheit und Zärtlichkeit keinen Zuschauer unberührt lässt
