Argentinien/Spanien, 2005; 92 Min.;
Regie: Eduardo Mignogna; Drehbuch: Graciela Maglie, Eduardo Mignogna; mit: Federico Luppi, Antonella Costa
FSK: ohne Angabe
Der 1940 geborene Eduardo Mignogna hat – wie er verlauten liess – 64 Jahre an Il Viento gearbeitet. Er hat dies im Stillen getan und es ist ein unglaublich ruhiger und im besten Sinne stiller Film entstanden. Seine Geschichte ist denkbar einfach, über sepiafarbenen Bildern schwebt grosse Melancholie und die Protagonisten laden zu grossen Empathiemomenten ein.
Eines Tages taucht José Osorio (Federico Luppi), genannt ‚Frank’, bei seiner Enkelin Alina (Antonella Costa) in Buenos Aires auf. Der Grund für seinen Besuch ist, dass Ema Osorio, die Tochter des geheimnisbrötlerischen Alten und Alinas Mutter verstorben ist. Ema war Tochter und Mutter, aber keine Ehefrau. Alina weiss nicht, wer ihr Vater war oder ist und diese unbeantwortete Frage ist für sie eine unverheilte Wunde.
Die junge Frau ist mittlerweile Ärztin und lebt ihr eigenes Leben. Sie führt eine Beziehung zu einem älteren, verheirateten Arzt. Mehrere Tage lang sucht Frank einen Zugang zu Alina, doch sie blockt alle seine Bemühungen ab. Als er schliesslich halbwegs ihr Vertrauen gewinnt, offenbart Frank Alina das Geheimnis ihres Vaters. Im selben Atemzug gesteht er ihr ein vor vielen Jahren begangenes Verbrechen ein und nichts ist mehr so, wie es anfangs schien.
Ähnlich wie in Almodovars Drama Volver geht es darum, wie sich Familiengeschichte wiederholt und die nächsten Generationen beeinflussen kann. Dabei ist die Vergangenheit zwar bittere Erkenntnis, doch beileibe nicht verursachendes Übel. Das vielmehr ist die Unausgesprochenheit von Ereignissen, die sich nun im Leben von Alina zu wiederholen drohen. Franks Aufenthalt hinterlässt Spuren, nicht nur den Schmuck und die Briefe ihrer Mutter, sondern auch die Möglichkeit, sich mit der Vergangenheit zu versöhnen. Eduardo Mignognas stiller Film ist ein aufwühlendes Minimal-Drama über Schmerz, Verlust, Schuld und die Suche nach dem Glück.