Finnland 1987, 85 min., Regie: Aki Kaurismäki, Darsteller: Esko Nikkari, Kati Outinen, Pirka-Pekka Petelius, Elina Salo u. a., FSK: o. A.

„Nie aus der Fassung geraten. Ein großer Punkt der Klugheit, nie sich zu entrüsten. (…) Die Affekte sind die krankhaften Säfte der Seele und an jedem Übermaß derselben erkrankt die Klugheit, steigt gar das Übel bis zum Mund hinaus, so läuft die Ehre Gefahr. (…)“ (Gracián, Handorakel (1647), Nr. 52). Fast möchte man bei der Lektüre dieses knapp vierhundertjährigen Textes meinen, dass der finnische Hamlet nach diesem Gebot handelt und sich damit in die lange Tradition der „Verhaltenslehren der Kälte“ (H. Lethen) einreiht.
Wie in der Tragödie Shakespeares prägen Misstrauen, Hass und unerbittlicher Egoismus sämtliche Beziehungen zwischen den Charakteren. Intrigen und zahlreiche Morde sind die Folgen. Abgesehen von dieser Grundkonstellation entwickelt Kaurismäki in dem Film aus den späten achtziger Jahren jedoch seine ganz eigene Version dieses Bühnenklassikers. Allein die Verpflanzung ins Industriellenmilieu der Gegenwart verleiht dem Film eine brisante, kapitalismuskritische Note und steht so in enger Verbindung zu seiner „proletarischen Trilogie“(Schatten im Paradies, Ariel, Das Mädchen aus der Streichholzfabrik) aus der gleichen Zeit.
Klaus (Esko Salminen), der Mörder von Hamlets Vater, heiratet Gertrud (Elina Salo), Witwe und Mutter des ‚Kronprinzen‘, übernimmt die Konzernführung und plant, die Produktion von Gummienten zum Geschäftskern des großen Wirtschaftsimperiums zu machen. Während Hamlet (Pirka-Pekka Petelius) das Treiben des Stiefvaters argwöhnisch beobachtet, erscheint ihm der Geist seines Vaters und befiehlt, Rache zu nehmen. Polonius (Esko Nikkari) meint in überheblicher Manier, man könne den jungen ‚Prinzen‘ durch ein Handgeld sowie die Heirat mit seiner Tochter Ophelia (Kati Outinen) zufrieden stellen. Von seiner gesamten Umwelt belächelt und selten ernst genommen, setzt Hamlet, dessen Trenchcoat sicher nicht ganz zufällig an Jef Costello (Alain Delon) aus Jean-Pierre Melvilles Le samouraï denken lässt, hingegen zu einem blutigen Rachefeldzug mit erheblichen Kollateralschäden an… Doch zum Glück gibt es noch die Gewerkschaft.
Mit tiefem Verständnis für die Besonderheiten des Schwarzweißfilms und minimalem Dialogeinsatz, der die Zuschauerin gleichsam auf die Bilder zurückwirft, präsentiert sich Kaurismäki durch