Die Erkenntnis, dass er schwul ist, kommt Dorian plötzlich, aber dafür umso klarer. Nur hat der schmächtige Teenie mit der scharfen Zunge niemanden, mit dem er darüber sprechen kann: sein Vater ist ein konservativer Patriarch, die Mutter eine verzagte Hausfrau, an der Highschool ist er wegen seines mangelnden Interesses an Sport und seiner arroganten Art ein Aussenseiter. Zu seiner Überraschung ist es sein jüngerer Bruder Nicky, das genaue Gegenteil Dorians – Sportskanone, Frauenheld, Vaters Liebling – der ihn unterstützt und ihm zuhört. Und nachdem ein Coming-in-Versuch gescheitert ist, stellt sich Dorian mit Hilfe seines Psychiaters auch der schwierigen Aufgabe, sich (in einem fuchsiafarbenen Hemd) vor seinem Vater zu outen.

Auf den ersten Blick scheint Dorian Blues nur ein weiterer Coming out-Film unter vielen, der die üblichen Phasen – Realisierung, Verdrängung, Akzeptanz – durchexerziert. Was jedoch neu ist, ist sein erfrischende Leichtigkeit und sein Humor; seine Hauptfigur Dorian ist ein sympathischer, lakonischer junger Mann, der den Film aus dem Off mit selbstironischen Kommentaren unterlegt, und beim gesamten Ensemble stimmt -auch wegen des hervorragenden Drehbuchs, das die Balance zwischen tragisch und komisch hält – einfach die Chemie.