Das Kino ist eine Erfindung ohne Zukunft – es war Antonie Lumière der sich derart skeptisch geäußert hat. Dabei waren es doch ausgerechnet seine Söhne, die ihn eines Besseren belehren sollten.

Den Brüdern Lumière fühlt sich Martino im Geiste eng verbunden. Er ist Nachtwächter in Turins berühmtem Filmmuseum: der kolossalen Mole Antonelliana, in dessen Inneren Martino, nach Mitternacht, wirbelnde Streifzüge durch die Kinogeschichte unternimmt. So baut er sich seine eigene kleine Welt zwischen Filmrollen, Kameras, Leinwandstars und seinem Favoriten Buster Keaton.

Jeden Tag, bevor Martino seinen Dienst antritt, kauft er sich Fastfood. Nicht weil er es sonderlich mag, sondern vielmehr wegen der bezaubernden Verkäuferin Amanda. Eines Tages gerät Amanda in Schwierigkeiten und findet auf der flucht vor der Polizei Unterschlupf bei Martino im Filmmuseum. Langsam findet Amanda Gefallen en ihrer neuen Bleibe. Sie entdeckt staunend das Medium Film und dessen Geschichte in dieser faszinierenden Kulisse der Mole mit ihren spiralförmigen Treppen und verschachtelten Gängen.

Aber auch Martinos Welt wird bereichert. Nach Jahren der selbstgewählten Einsamkeit hat er nun eine lebendige junge Frau an seiner Seite. So kommen sich beide immer näher. Wäre da nicht Amandas Freund Angelo, der aller in seiner Macht stehende tut um Amanda aus ihrer misslichem Situation zu helfen. So beginnt eine seltsame Menage à Trois, die nicht von langer Dauer sein wird.

David Ferrario erzählt in federleichter Manier eine ungewöhnliche und zitierfreudige Liebesgeschichte. Aber Ferrario bedient sich nicht einfach wahllos im Archiv der Filmgeschichte, sondern deckt die vielschichtigen Bedeutungen seines Films auf.

Beeindruckend ist aber vor allem die Ausstellungsarchitektur er Mola, die die träumerische Kulisse für eine Wanderung durch eine Kinoepoche bildet, in der die Bilder laufen lernten
Nicht zuletzt ist Dopo mezzanotte eine wunderschöne tragikomische Reflexion über die Notwendigkeit des Geschichtenerzählens und die Unsterblichkeit des Kinos.