Steve Zissou (Bill Murray) ist ein alternder, melancholischer Meeresforscher und Dokumentarfilmer, der auf der letzten Fahrt seinen besten Freund Estéban (Seymour Cassel) verloren hat: Er wurde vom mysteriösen Jaguar-Hai gefressen. Steve schwört Rache und begibt sich mit seinem Team, das mit den blauen Kostümen und roten Mützchen ein wenig an die Schlümpfe erinnert, wieder auf See. Die Kamera samt Tonstudio und einer schwangeren Reporterin (Cate Blanchett) mit an Bord, versteht sich. Unterwegs wird mal schnell das viel bessere Equipment von Gegenspieler Alistair Hennessey (Jeff Goldblum) geklaut, der nicht nur ständig alle Fördergelder einheimst, sondern auch – obwohl „halbschwul“ – was mit Steves Exfrau (Angelica Houston) hat(te). Nach einem brutalen Piratenüberfall, der anschließenden „Blitzbefreiungsaktion“ der Geisel und einem nicht minder dramatischen Helikopterabsturz kommt es zum hinreißenden Unterwasserfinale…

Klingt doch nach einem spannenden Actionfilm. Ist aber noch viel mehr: Wes Anderson hat nach The Royal Tenenbaums (2001) wieder so einen Film vorgelegt, der auf wunderbare Weise die Balance zwischen hohem Anspruch und wahnwitziger Unterhaltung hält. Auf inhaltlicher wie formaler Ebene geht es ständig um das Filmemachen selbst, um das Verhältnis von Kunst/Künstlichkeit und Wirklichkeit, um Namen und Fantasiegeschöpfe, um Gewollt-Sein und Gemacht-Sein. Das Spannende daran ist, dass sich gerade in dieser hochgradig künstlichen, bunten Spielzeugwelt menschliche Dramen abspielen, die merkwürdig echt sind. Jeder Charakter ist präzise angelegt und meist auf die entsprechenden Schauspieler abgestimmt. Ein Highlight der deutschen Synchronfassung ist übrigens Klaus Daimler (Willem Dafoe), der schwäbisch spricht.
Und natürlich geht es um die Suche nach Identität und den Stellenwert von Vorbildern, alles hübsch verpackt in subtil-skurrilen Witz statt oberflächlichem Klamauk. Die besondere ästhetische Qualität des Films ergibt sich nicht nur aus der hervorragenden Leistung der Schauspieler, dem fantastischen Soundtrack (David Bowie auf portugiesisch und herrlicher Minimal-Synthi-Sound) und den zahlreichen Anlehnungen an die Filmgeschichte, sondern auch daraus, dass in scheinbar bekannten, festgesteckten Zonen eigene Ausdrucksformen gefunden werden, sämtliche Erwartungshaltungen der Zuschauer irritiert und fröhlich Genregrenzen gesprengt werden. Ein grandioser Film an einem grandiosen Spielort.