Zwar hatten die Warner Brothers bereits 1928 den Tonfilm herausgebracht, dennoch drehte Chaplin mit City Lights – Lichter der Großstadt einen weiteren Stummfilm. Chaplin bedient sich in diesem Werk bereits einiger Elemente, die dem Tonfilm entstammen, setzt jedoch weiterhin Zwischentitel ein. Das Multitalent Chaplin hielt aus Überzeugung am Stummfilm fest. Für ihn war das Wesen des Films die Pantomime, die durch die Filmtechnik noch hervorgehoben wurde. Die häufigste Einstellung ist die Totale, die dem Bühnenraum aus der Perspektive des Zuschauers entspricht. Neben Modern Times (1936) gehört City Lights zu den bedeutendsten und erfolgreichsten Filmen der Dreißiger Jahre.

Mit der Enthüllung eines Denkmals, das Frieden und Wohlstand verherrlichen soll, beginnt der Film. Als die Hüllen des Monuments fallen, sieht man den Vagabunden Charlie, der sich auf dem Schoß der Statue ausruht. So direkt hatte Chaplin noch nie die Gesellschaft und ihre offiziellen Kundgebungen karikiert. Anders als viele seiner bisherigen Filme besteht „City Lights“ nicht aus einer Reihe brillanter Nummern, sondern erzählt eine geschlossene Geschichte. Chaplin ist in seiner Paraderolle als Tramp mit Hut und Stock unterwegs, als er sich in ein armes, blindes Blumenmädchen verliebt. Zudem rettet er einem Millionär, der sich umbringen will, das Leben. Zum Dank darf er nicht nur mit dem Begüterten die Nacht durchzechen, sondern bekommt auch etwas Geld geschenkt. Doch der Millionär ist nur unter Alkoholeinfluss menschlich, nüchtern erinnert er sich an seine soziale Stellung und lässt den Tramp aus seiner Villa werfen.
Die geniale Mischung aus Tragik und Komik sowie Sozialkritik passt hervorragend zusammen und macht diesen Klassiker auch heute noch zu einem ungemein berührenden Film.

Bertolt Brecht ließ sich von diesem Chaplin-Film inspirieren und verwendete das Motiv der „gespaltenen Persönlichkeit“ in seinem Theaterstück ‚Herr Puntila und sein Knecht Matti’, das ab 21. September im Konstanzer Stadttheater aufgeführt wird. vs

Wir zeigen diesen Stummfilmklassiker einmalig am Donnerstag, 11.10.2007 um 20 Uhr im Zebra Kino.

Musikalisch begleitet wird der Film von Peter (Krümel) Kretzschmer