1998 gab es auf der Berlinale einen Dokumentarfilm „The Brandon Teena Story“ zu sehen. Der Film kam sehr gut an, wurde aber in Deutschland nur auf Festivals gezeigt. Kimberley Peirce hat einen ergreifenden Spielfilm daraus gemacht.

Es geht um Teena Brandon (Hilary Swank), die hübsch und energisch wie sie ist, sich als Mann fühlt. Sie nennt sich Brandon Teena, schneidet sich die Haare kurz, schnürt ihre Brüste ein, stopft sich ein paar Socken in den Slip und reisst in der Disco ein Mädchen auf. Anschließend wird sie von aufgebrachten Halbstarken verfolgt. Sie entschließt sich, Lincoln, Nebraska zu verlassen und anderswo mit neuem Geschlecht noch mal anzufangen. In dem völlig gottverlassenen Kaff New Falls bleibt sie hängen. Mitten in einer Clique junger Leute, die sie nur als Mann kennen und akzeptieren. Die Frauen sind fasziniert von „seiner“ Einfühlsamkeit und Sensibilität, die Männer von seiner Fremdheit. Brandon verliebt sich in Lana und kann deshalb nicht verschwinden, als sein Rollenspiel auffliegt, und sich die Geschichte zur Katastrophe entwickelt. Mit grosser Sicherheit entwickelt der Film seine Story. Man begreift, warum sich Brandon unempfindlich für die latente Gewalt seiner neuen Freunde zeigt.

Wir erkennen die Euphorie mit der er auf Freunde und Liebe reagiert und die ihn die Gefahr vergessen lässt, die nach der unvermeidlichen Entdeckung seines Geheimnisses aus der furchtbaren Provinztristesse hervorbrechen wird. K. Peirce:“Bredans Mörder fühlten sich in ihrer Männlichkeit bedroht, weil sie merkten, dass die nicht mehr gefragt ist. Sie versuchten ihr Selbswertgefühl durch die Gewalt wieder herzustellen. Auch sie sind Opfer ihrer Umwelt, weil sie traditionelle Anforderungen erfüllen wollen.“ Boys Don’t Cry ist dank seiner hervorragenden Darsteller, denen keine Figur zum Klischee, zum Stereotyp gerät (ganz zurecht der Oscar für Hilary Swank), nicht nur ein beeindruckender, sondern trotz seiner bedrückenden und düsteren Inszenierung eines tristen und kaputten Milieus auch ein hoffnungsvoller, ein Mut machender Film: im Geiste von Teena Brandon ein Plädoyer für die Freiheit – so zu sein und zu leben, wie man will. uw