In “Between the Lines – Indiens drittes Geschlecht zwischen Mystik, Spiritualität und Prostitution ” zeigt der deutsche Regisseur und Reisejournalist Thomas Wartmann, mit Unterstützung der indischen Fotografin Anita Khemka, ein einfühlsames Portrait dreier außergewöhnlicher Menschen in Indien.

Dreier außergewöhnlicher Menschen deshalb, da es sich bei den Protagoniesten diese Dokumentarfilms – Laxmi, Rhamba und Asha – um Hijras handelt. Hijra bezeichnet nicht – wie oftmals angenommen – einfach einen Eunuchen oder Zwitter, sondern einen Menschen ohne festgelegtes Geschlecht.

Trotz der Verachtung und Stigmatisierung in der Gesellschaft sind die Hijras auch fester Bestandteil dieser. In einer streng hierarchisch organisierten Kaste treten die Hijras auf Festen, vor allem aber bei Hochzeiten auf. Ihre Segnungen und Tänze sollen Glück bringen, da man ihnen nachsagt besondere, spirituelle Fähigkeiten zu besitzen.
Genau diese Komplexität ist es, die Thomas Wartmann in jedem einzelnen Charakter anschaulich dokumentiert:

Laxmi, dessen Anerkennung als Choreograph für Bollywood-Filme im Gegensatz zu seinem Nischendasein als Eunuchen-Prostituierte steht. Rhamba, die ähnlich einer heiligen Person in einem Tempel lebt, aber so bald die Dunkelheit hereinbricht ihr Geld als Go-Go Tänzerin in einem Nachtclub verdient.

Asha, die ehemalige Prsotituierte, die mittlerweile verliebte Pärchen an Mumbais Stränden segnet, oder – falls diese die Segnung nicht honorieren – verflucht.

Sie alle sind wie Wesen der hinduistischen Mythologie, die häufig ihre geschlechtliche Identität wechseln, deren männlicher Kraft ihr weiblicher Konterpart entgegensteht – und gleichzeitig geächtete Gestalten der Gesellschaft.

Beeindruckende, nicht immer erfreuliche, Bilder aus einem Land faszinierender Widersprüche die die Fotografin und der Journalist hier einzufangen vermögen.