Lichter

Die Oder trennt Frankfurt vom polnischen Slubice und mit diesen beiden Städten ganze Welten. Die städtischen Lichter jenseits der Grenze verheißen eine Hoffnung, die in ihrem Leuchten ein Ziel setzt, aber dennoch ungreifbar bleibt. In sechs Episoden begegnen sich Glückssuchende auf beiden Seiten der Grenze in ihren Nöten, Ängsten und Hoffnungen: Zum Beispiel ein junger Zigarettenschmuggler, der für die Liebe über seine eigenen Grenzen hinausgeht und dennoch die entscheidende Schwelle nicht überschreiten kann, ein Unternehmer vor dem Ruin, der voller Illusionen keinen Schlussstrich ziehen kann, oder ein Taxifahrer, der für das Kommunionskleid seiner Tochter die berufliche Existenz aufs Spiel setzt.
Lichter ist ein Film über Grenzen, politische wie auch menschliche, und über Helfer, die die Grenzüberschreitung erst möglich machen. Doch die Grenzen, die überwunden werden, werden im Scheitern der Figuren wieder deutlich. Die Lichter erweisen sich immer wieder als Irrlichter, wenn beispielsweise polnische Flüchtlinge beim Anblick des trügerischen Stadtlichts glauben, schon im „goldenen Westen“ zu sein und doch erst vor dem Grenzfluss stehen.

Lichter arbeitet mit einem strukturell vernetzenden Erzählstil. Die Einzelgeschichten werden chronologisch nebeneinander erzählt, indem der Film wie bei Szenenwechseln von einer Episode zur nächsten springt und somit den Spannungsbogen in allen Erzählsträngen auf gleicher Höhe hält. Auch wenn manche Episoden sich nicht tatsächlich berühren, vereint ein thematisches Band die Begebenheiten.

Hans-Christian Schmid, der zuvor hauptsächlich Jugendfilme drehte, gelingt mit Lichter ein zutiefst melancholischer Film mit einem pessimistischen Grundton, durch den immer wieder farbenfrohe Lichtblicke voller Schönheit hindurchscheinen. So schön ist die Traurigkeit nur selten.