„Comme tu es belle, Koktebel.“ (le temps)
Ein Vater, ein Sohn und eine Reise durch die unendlichen Weiten der russischen Landschaft – die Grundthematik des preisgekrönten Road-Movie Koktebel erinnert frappant an The Return/Die Rückkehr, der 2003 die neue Welle des russischen Films begründete. Mit neuer Ästhetik tritt der russische Film aus seinem jahrelangen Schattendasein heraus. Sein Stil zeichnet sich durch eine ungeahnte Schönheit der (Landschafts-)Bilder, eine vordergründige Schlichtheit des Sujets, die zugleich eine tiefgründige Vielschichtigkeit beherbergt, sowie durch eine zitierfreudige Neuorientierung an den alten Meistern wie Tarkovski oder Sokurov aus. All diese Prädikate treffen auf Koktebel zu.
Ewig dahingleitende Albatrosse über dem Schwarzen Meer verheißt der Vater seinem Sohn, als sich beide auf den Weg in die Stadt Koktebel, den Wohnort der Tante, aufmachen. Die abenteuerliche gemeinsame Reise durch das russische Land scheint aber ein vorzeitiges Ende zu finden, als der Vater sich in eine Frau verliebt – doch da zieht der Sohn alleine weiter, den Albatrossen entgegen.
Koktebel besticht durch seine Bildkraft, seine Zentrierung auf die Kinderperspektive und seinen zurückgenommenen, lakonischen Stil. Der Film handelt letztlich von der Überwindung von Distanz: die Distanz des Weges wie auch die Distanz zwischen Vater und Sohn. Die Reise ist in dem Road-Movie insofern das Sinnbild für die seelische Entwicklung, zugleich erzählt der Film eine Parabel über das russische Land.
Mit einer blendenden Schönheit der Bilder kämpft der neue russische Film gegen das Schattendasein an. Doch noch immer bleibt er hierzulande dem breiten Publikum versagt und erhält in erster Linie von Filmkritikern Beachtung. Koktebel gewann eine Vielzahl von Jury-Preisen, unter anderem wurde er 2004 in Cannes mit dem Fipresci-Preis der Filmkritik als „Entdeckung des Jahres“ gefeiert. Ein Fundstück!
Koktebel
– Fr, 24. Februar 2006Eingestellt unter: Filmdatenbank, H - S
