Eines Morgens in Berlin treffen sich zufällig zwei junge Frauen im Tiergarten. So unterschiedlich wie ihre Biografien sind auch ihre Charaktere: Toni (Sabine Timoteo) ist eine Diebin und lebt im Hier und Jetzt und Nina (Julia Hummer), das scheue Heimkind, fühlt sich von Tonis Art angezogen. Durch ihre Begegnung scheinen Vergangenheit und Zukunft ausgelöscht zu sein. Auf der Suche nach Halt und Zugehörigkeit klammern sie sich aneinander. Ohne sich zu erklären, entsteht zwischen den beiden eine intensive Nähe.
Auf ihren Streifzügen durch die Stadt begegnen sie Françoise, die auf der Suche nach ihrer als Kleinkind in Berlin entführten Tochter ist. Ihr Mann Pierre nimmt währenddessen Geschäftstermine wahr und hat schon lange kein Verständnis mehr für die Besessenheit seiner Frau, ihre gemeinsame Tochter wiederzufinden. Als Françoise Nina begegnet, glaubt sie in ihr ihre Tochter erkannt zu haben. Doch schon ist das Mädchen in der Menge verschwunden und Françoise hat sie aus den Augen verloren. Doch wie immer im Leben begegnen sie sich ein zweites Mal…

Die Idee zu diesem Film erhielt Petzold durch Phantombilder, die von verschwundenen oder entführten Kleinkindern angefertigt werden. Sie rekonstruieren, wie diese Jahre später aussehen könnten und stellen Seelenlose, geschichtslose Gesichter dar: Gespenster eben.

Christian Petzold, Regisseur von Filmen wie Die innere Sicherheit und Wolfsburg, wird als eines der größten Talente im deutschen Kino angesehen. In der Presse mit Antonionis Meisterwerk Blow Up verglichen, begeistert Gespenster mit einem unkommentierten Einblick in das Leben dreier Frauen, deren Wege sich zufällig, aber nicht folgenlos, kreuzen. Julia Hummer, bekannt aus Die innere Sicherheit und Eierdiebe, brilliert als Nina mit einer überzeugenden und eindringlichen Leistung, die dem Zuschauer im Gedächtnis bleibt.

Deutschland 2005; 85 Min.
Regie: Christian Petzold; Buch: Harun Farocki, Christian Petzold; mit: Julia Hummer, Sabine Timoteo, Benno Führmann; Musik: Marco Dreckkötter und Stefan Will
FSK: o.A.