Die Einstürzenden Neubauten: Seele brennt

Deutschland 2004; 61 Min.; Dokumentarfilm
Regie: Birgit Herdlitschke, Christian Beetz; mit: Blixa Bargeld, Alexander Hacke, N.U. Unruh, F.M. Einheit, Marc Chung, Jochen Arbeit u.a.

Nihil oder Alle Zeit der Welt

Deutschland 1987; 58 Min.; Musikfilm
Regie: Uli M. Schüppel; mit: Blixa Bargeld, Olivier Picot, Gesine Böhle, Friedrich Wall, Kai Fuhrmann
FSK ab 12

Party geniale_dilletanten, 01.12.06, 22 Uhr, Zebra Kino

Wolfgang Müller definiert: „Dilletantismus auf musikalischen (aber auch allen anderen möglichen) Bereichen hat nichts mit Stillstand durch Nicht-Professionalität zu tun – ganz im Gegenteil – Entwicklung unter Einbeziehung aller möglichen und angeblich unmöglichen Bereiche kann einen universellen Ausdruck finden, dem die Profis hilflos unterlegen sind.“

Berlin Ende 70er-/ Anfang 80er-Jahre.
Musiker wollen sich loslösen von dem, was als Musikkultur umhergeistert und kreieren eine Neue Deutsche Welle. Sie werten Musik um, legen Töne neu aus, bringen feste Strukturen durcheinander, erschaffen neue Kompositionen aus Klängen, lassen es krachen: sie sind Geniale Dilletanten.
Wenn man so will, sind die Genialen Dilletanten „Punks“ (nur besser) aus Westberlin auf der Suche nach etwas echtem in der aufgewühlten und gleichzeitig festgefahrenen Welt der frühen 80er.
Hinter diesen „Musikern“ stecken Gesichter, Namen, Geschichten, Motive. Dass die Einstürzenden Neubauten (die bis heute Hausverbot in der Uni Konstanz haben) hier genannt werden, war zu erwarten. Die Formation um Blixa Bargeld spielt keine Instrumente, sondern entlockt allen denkbaren Gegenständen Geräusche: Kein Trash – ein Ausdruck des Innenlebens der Band. Auf der Suche nach einer neuen Kultur und besserer Musik waren ebenfalls Die Tödliche Doris, Gudrun Gut, Christiane F., aber auch Maximilian Lenz und Matthias Roeingh, heute bekannt als Westbam und Dr. Motte. Das sind die 1980-er, das ist Berlin.

Herausgekommen sind laute Projekte mit menschlicher Tiefe, in Musik, Film und Lebensart. Sie zeichnen sich aus durch besondere, neue Schlichtheit. Dies ist der falsche Topic, um Wissenschaft zu betreiben,
– hört die Einstürzenden Neubauten selbst erzählen in der Dokumentation „Die Einstürzenden Neubauten: Seele brennt“.
Der Film porträtiert die Band, die in den frühen 80ern mit Bohrmaschinen, Presslufthämmern und apokalyptischen Slogans wie kaum eine andere das Lebensgefühl der Westberliner Punkszene verkörpert und bald auch von der Hochkultur entdeckt wird. Er bewegt sich sehr nah an den einzelnen Bandmitgliedern, die eben keine chaotischen Punks, sondern auf ihre Weise genial sind. Dies darf man dann insgesamt gerne als dil(l)et(t)antisch bezeichnen.
– seht minimale und doch geniale Filmkunst in „Nihil oder Alle Zeit der Welt“.
Eine Gruppe junger Terroristen kämpft verzweifelt und aussichtslos gegen einen nebulösen Professor, der das Böse verkörpert. Im Film geht es nicht um schauspielerische Höchstleistung oder möglichst stringente, leichte Unterhaltung. Er will nicht belehren, keinen Aha!-Effekt erzeugen. Der Film ist genial, weil er dilletantisch und unperfekt ist. Echt wie das Leben bildet er Gefühle und Stimmungen der späten 80er ab. Man muss sich erst auf ihn einlassen, wie auf einen sonderbaren Menschen. Nachher wird sich zeigen, dass man der Zeit/dem Menschen näher gekommen ist.
– und geht endlich mal wieder tanzen am 01. Dezember 2006.
Über Musik kann man nicht reden, man muss sie tanzen, am besten mit den genialen_tanten im Zebra Kino.