Wie sieht ein Film aus, der alles, was den Blick auf sein Thema versperren könnte, schonungslos eliminiert? Keine Schnörkel, keine Nebenschauplätze, unmittelbare Realität, die umso mehr schmerzt, je mehr man sich in ihr wiederfindet. Masken – ein bevorzugtes Persönlichkeitsbild unserer Zeit – werden als Masken entlarvt. Und mit ihnen die Bedingungen, die das Tragen von Masken verursachen.

Ist das traurig oder ist es komisch? Armin ist ein junger Heranwachsender, der in einem behüteten Elternhaus aufgewachsen ist. Obwohl klug, ist er antriebslos und er vermeidet, wo er kann, die Konfrontation mit seinen Mitmenschen. Er setzt ‚falsche’ Bekennerbriefe auf, in denen er sich der Gewaltverbrechen bezichtigt, die in der näheren Umgebung seines Wohnortes begangen wurden.

Seine konsequente Verweigerung der sozialen Realität und die Stilisierung seiner Person zum Gewaltverbrecher ist gleichermaßen aberwitzig wie nachvollziehbar. Die Familie reagiert mit gutgemeinten Maßregeln. Armin soll jeden Tag mindestens ein Bewerbungsschreiben für eine Ausbildungsstelle aufsetzen. Anstatt seine vorteilhaften Fähigkeiten nach außen zu kehren, beschreibt er sich als Auslöser von Unglücksfällen. Je mehr er bedrängt wird, desto mehr beharrt er auf seiner ‚Parallelwelt’, insbesondere als das angehimmelte Mädchen ihn abblitzen lässt. Mediale Versatzstücke, Projektionen gewaltsamer Wirkungsmächtigkeit und das beständige ‚Sich-bewerben-müssen’ stehen einem ‚Ich’ gegenüber, das nicht in der Lage ist, von einem ‚Ich’ zu sprechen.

Wie – also – sieht so ein Film aus? Falscher Bekenner ist zugegebenermaßen kein Party-Film, sondern stilistisch höchst ausgefeilte Filmkunst, die ihr Licht auf das Leben in unserer Zeit in unserer Realität wirft. In der wichtigen Reihe „Un certain regard“ des Filmfestivals Cannes wurde der Film zusammen mit Benjamin Heisenbergs Schläfer als das Aufkeimen einer „Neuen Welle“ des deutschen Films gefeiert. Das Zebra-Kino und unser Kooperationspartner, das Weitwinkelkino in Singen, waren diesbezüglich visionär. Der junge deutschsprachige Film besteht als permanente Reihe in beiden Kinos bereits seit 2004. Im April 2005 war Christoph Hochhäusler in beiden Kinos zu Gast. Wir hatten ihn für seinen zweiten Film ebenfalls eingeladen, doch die Geburt seiner Tochter – zu der wir ihn von ganzem Herzen beglückwünschen – bindet im Moment seine ganze Aufmerksamkeit.