Während der Dreharbeiten zu Fatih Akins preisgekröntem Drama Gegen die Wand (vor zwei Jahren im Neuwerk als Open Air-Film zu sehen) in Istanbul begleitete Alexander Hacke, ehemals Bassist der Einstürzenden Neubauten, das Filmteam, um vor Ort die passende Musik für den Soundtrack aufzunehmen. Dem Soundtüftler blieb angesichts der Vielfalt und musikalischen Kreativität der Stadt glatt die Kinnlade offen. Sofort war die Idee geboren, eine umfangreiche Dokumentation über die Musik der Metropole am Bosporus zu drehen.

Alexander Hacke mit mobiler Aufnahmegerätschaft und Fatih Akin mit der Kamera lassen sich durch die Straßen, Studios und Clubs von Istanbul treiben. Dort finden sie Glanzlichter und Irrlichter, den Punk Rock der Replicas, Hochgeschwindigkeits-Rap von Ceza, der gar nichts mehr mit amerikanischem Gangsta Rap zu tun hat, die Kanadierin Brenna MacCrimmon, die aus Liebe zur türkischen Folklore ihre Reise abgebrochen hat und gleich in Istanbul geblieben ist, den psychedelischen Folk von Baba Zula, die kurdische Sängerin Aynur, deren Sprache bis 1990 verboten und bis vor wenigen Jahren im Rundfunk verpönt war, die Musiker von Siyasiya, die in der Strassenmusik ihren künstlerischen Ausdruck gefunden haben oder „die Stimme Istanbuls“ Sezen Aksu.
Der Reigen schillert weiter mit Roma-Einflüssen, mit der ‚Arabesque’ (Einfluss arabischer Elemente) und mit der sogenannten türkischen Synkope (5/8-Takt).

Beim Porträtieren der einzelnen Künstler und Bands sind Fatih Akin dabei großartige dokumentarische Momente gelungen. Besonders bei manchen Nahaufnahmen springt die Intensität der Darbietung unmittelbar auf das Publikum über. Ansonsten verbleibt der Regisseur während des gesamten Films im Hintergrund und überlässt es Alexander Hacke, den Zuschauer durch die Wunder und Magie dieser Metropole zu geleiten. Dabei vermögen dessen Beobachtungen, Berichte und Kommentare die geballte Intensität der verschiedenen Eindrücke auf eine angenehme und frische Art aufzulockern.
Crossing the Bridge ist eine Liebeserklärung nicht nur an Istanbul, sondern an die Musik überhaupt, und auch auf technischer Ebene ein Meisterwerk des Dokumentarfilms.