Zum Aktionstag der Kommunalen Kinos 2006, der unter dem Motto „Unzensiert“ steht, zeigen wir die vom Filmmuseum München rekonstruierte Fassung von Anders als die andern von Richard Oswald. Der erste deutsche Spielfilm zum Thema Homosexualität, der am 28. Mai 1919 in Berlin Premiere feierte, erhielt einerseits Zustimmung, provozierte andererseits aber auch heftige Ablehnung.

Rechtskonservative und nationalistische Kreise nahmen ihn zum Anlass, um die Wiedereinführung der Zensur zu propa-gieren. Unüberhörbar mischten sich in die Debatte auch antisemitische Stimmen, da sowohl Oswald als auch sein Mitarbeiter, der Sexual-wissenschaftler Magnus Hirschfeld, Juden waren. Hinter den Auseinandersetzungen um den Aufklärungsfilm wurde eine politische Kontroverse sichtbar.

„Mein Standpunkt ist der: ich habe als freier Schriftsteller das Recht, jedes Thema für den Film zu bearbeiten, welches ich für geeignet halte. Ich lasse mir von keinem Menschen in dieser Beziehung Vorschriften machen. Ob ich die Grenzen der Sittlichkeit überschreite, darüber hat lediglich der Staatsanwalt zu entscheiden. Eine sonstige Bevormundung brauche ich nicht. Wenn ich es für richtig halte und ein geeignetes Thema dafür finde, werde ich nach wie vor auch Aufklärungsfilme herstellen. Gegen die Unterstellung, daß ich jemals unter der Maske ‘Aufklärungsfilm’ Obscönfilme hergestellt hätte, verwahre ich mich nicht nur, sondern werde gegen jeden, der diese oder eine ähnliche Behauptung zukünftig aufstellt, strafrechtlich vorgehen. Für mich ist jedenfalls diese Hetze, welche lediglich der Neid, die Borniertheit und Gewissenlosigkeit diktiert, erledigt.“

(Richard Oswald, Film-Kurier, Nr. 24, 3.7.1919)

Der Film, der engagiert gegen § 175 Stellung bezieht und sich für Toleranz gegenüber Homosexuellen einsetzt, wurde nach Zuschauerprotesten nach 6 Wochen aus den Kinos genommen. Das Zebra Kino freut sich, diesen fast schon vergessenen Stummfilm nach so langer Zeit wieder auf die Leinwand zu bringen.