Wir befinden uns im Jahr 1980. Ein Künstler namens padeluun ruft die Berliner Subkultur dazu auf, bis zum 18.2.1981 ihre angefertigte Filmkunst im Café Mitropa abzugeben. Einziges Auswahlkriterium: Die Filme müssen im Format Super 8 vorliegen.
Dabei handelt es sich um eine mehr als bemerkenswerte Idee. Padeluun und die übrigen Künstler gaben dem Format mit diesem Schritt einen eigenen Platz in der Filmlandschaft. Von nun an war es mehr als ein reines Dokumentationsmittel spießiger Familienfeste. Die Filme waren Statements gegen Standardisierung und Professionalität im herrschenden Kulturbetrieb.

Entsprungen sind die einzelnen Filmideen aus der subkulturellen Gruppierung der „Genialen Dilletanten“, die auch durch musikalische Experimente und Erfindungen auf sich aufmerksam machte und zu deren bekanntesten Vertretern sicherlich die Einstürzenden Neubauten gehörten.

25 Jahre später hat das Zebra nun die Ehre, Euch einen Teil des „Alle Macht der Super 8“-Programms vorzustellen. Diese in Zusammenarbeit mit dem Erfinder dieses Meisterprojektes padeluun angefertigte Film-Kompilation darf aus heutiger Sicht auch als Zeitdokument angesehen werden: Westberlin war Ende der Siebziger Jahre Anziehungspunkt für viele junge Westdeutsche, die befreit vom Wehrdienst und hohen Mieten Neues ausprobieren wollten. Dass die deutsche Frontstadt ungeahnter Freiheiten zugleich von einer Mauer umgeben war, trug zu ihrer energiegeladenen Atmosphäre zwischen Freiheit und Beschränkung bei. Die Modedesignerin Claudia Scoda brachte das Lebensgefühl jener Generation auf den Punkt: „Alle hatten einen sehr starken Drang sich darzustellen – alle! […] Man hatte das Bedürfnis, in dieser zu engen und grauen Stadt zu schillern.“

Der Inhalt der 12 Kurzfilme reicht von einer russischen Schwimmerin, die mit den Symbolen des Klassenfeindes, Hammer und Sichel, in verstörender Weise herumhantiert, über eine zu einer Rallyestrecke umfunktionierten schlammigen Brachlandschaft an der Berliner Mauer bis hin zu fahrgästeauspuckenden Taxis und einem zurückspuckenden Jüngling (Ben Becker).

Mehr als brilliant ist die Tonspur: minimale Synthieklänge, Scratches und Punk…

Klar, dass sich das Zebra Kino diese Gelegenheit nicht entgehen lässt, um zur Premiere eine entsprechende, einzigartige Party zu veranstalten. Es ist unglaublich, aber wahr. Die Genialen Tanten sind es, die dafür sorgen werden, dass es im Zebra mal wieder richtig abgehen wird. Auch hier wird der goldene Schnittpunkt zwischen Elektro und Punk gefunden werden, der sich gewiss nicht nur auf die 80-er beschränkt.

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Deutschland 1981; 100 Min.
Regie: Knut Hoffmeister, Peter Fischer-Piel, Yana Yo, padeluun u.a.
FSK k. A.