Autounfälle zählen zu den bevorzugten Motiven des Episodenfilms: In Genre-Größen wie Short Cuts, Amores Perros oder jüngst im Oscar-prämierten L.A. Crash sind die Zusammenstöße ein Bild für das Aufeinanderprallen verschiedener Lebenswege auf der Kreuzung des Daseins. Auch bei 11:14 steht ein Unfall im Zentrum, der sich auf den zweiten Blick als unglaublich komplexes Ereignis herausstellt.

11:14 (Szenenfoto)

Regisseur Greg Marcks konzentriert sich bei seinem bitter-ironischen Erstlingswerk gänzlich auf diese eine Situation und erzählt sie in fünf Episoden aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Dabei zeigt sich schnell der Unterschied zwischen dem Figurenwissen im Film und dem Zuschauerwissen: Während die Figuren in ihrer Sichtweise nur auf die eigenen Handlungen beschränkt sind, wird dem Zuschauer nach und nach ein „allwissender“ Blick gewährt, der ein zynisch-ironisches Schicksal enthüllt. Der Regisseur Marcks treibt dabei ein Doppelspiel zwischen Aufklärung und Verklärung: Während anfangs die Schuld relativ deutlich erscheint und nur die Umstände verworren sind, werden von Episode zu Episode die genauen Abläufe klarer, doch die Schuldfrage wird angesichts der Komplexität der Ereignisse zunehmend unbeantwortbar. Je mehr falsche Fährten die Figuren legen, umso heftiger trifft sie die falsche Fährte, die das Schicksal ihnen legt.

11:14 demonstriert ein episodisches Erzählen in abgeschlossenen Blöcken. Der Film springt nicht von Episode zu Episode, sondern verfolgt konsequent die Geschichte einer Figur, um am Ende die Uhr zurückzudrehen und die Ereignisse aus der Sicht des nächsten Protagonisten zu erzählen. Das Ergebnis sind fünf parallele Geschichten, die auf ihre Weise jeweils völlig anders und dennoch gleich sind – denn in jeder Episode wiederholen sich strukturell vergleichbare Elemente, die Knotenpunkte der Gesamtgeschichte und zugleich running gags sind. Erzähltechnisch krönt Marcks sein Werk, indem er am Filmende die Brücke zum Anfang schlägt und dabei die Erzählfiguren der Parallelität und der Zirkularität vereint.

11:14 ist ein filmisches Puzzle mit morbidem Humor, das Ereignisse aufklärt, indem es sie verwirrt. Nicht umsonst steht am Ende des Filmes nicht das klassische „the end“, sondern ein „ready“.