Palindromes

Fear, Anciety and Depression – unter diesen Schlagworten lässt sich das Kino des Todd Solondz gut zusammenfassen. Ob Welcome to the Dollhouse, Happiness oder Storytelling, Todd Solondz hatte schon immer ein Faible für unglückliche, hässliche Freaks. Mit einem unserer aller Lieblingscharaktere, Dawn Wiener (genauer gesagt ihrer Beerdigung), beginnt denn auch sein neuester Film, Palindromes (ein Wort oder Satz, der vorwärts und rückwärts gelesen den gleichen Sinn behält, z.B. Otto, Ana, Aviva, Reliefpfeiler)…
Das zwölfjährige Mädchen Aviva Victor hat nur eines im Sinn, nämlich Mutter zu werden — um immer einen Menschen zu haben, den sie lieben kann. Um sich diesen Wunsch zu erfüllen, schläft sie mit ihrem gleichaltrigen Cousin und wird tatsächlich schwanger – nur um von ihren eigentlich liberalen Eltern zur Abtreibung gezwungen zu werden. Daraufhin läuft Aviva von Zuhause weg, immer noch fest entschlossen, auf die eine oder andere Weise schwanger zu werden. On the road trifft sie auf so sympathische Charaktere wie einen Pädophilen, die christliche Fanatikerin und Abtreibungsgegnerin Mama Sunshine und ihre Kinder und einen bigotten Priester. Am Ende dieser ungewöhnlichen Reise lässt sich kaum sagen, ob Aviva jemals wieder die Gleiche sein wird – oder ob sie umgekehrt jemals
Das Besondere an Palindromes ist, dass die unveränderliche Persönlichkeit Avivas von acht SchauspielerInnen unterschiedlicher Altersgruppen, Gewichtsklassen und Hautfarben verkörpert wird. Durch die Unterteilung des Films in Episoden ist in jeder neuen Situation eine äußerlich völlig veränderte Aviva zu sehen, was zwar der Zuschauer bemerkt, nicht aber die Figuren im Film.
Die Leute werden vielleicht den Kopf darüber schütteln und sich fragen: Was sagt uns dies nun über das Wesen des Menschen?
Oder über Persönlichkeit? Oder über Rollenspiele? Oder über Identität? Mein Rat an die Zuschauer, bevor sie sich diesen Film ansehen, lautet: Auch wenn ihr nicht sicher seid, ob ihr das Wie und Warum von all dem begreift (und ich bin mir nicht sicher, ob ich es selbst begreife), lehnt Euch einfach zurück und schaut…“.
Solondz philosophiert über die freie Wahl im Leben und setzt das Palindrom „Aviva“ als These dafür hin, dass wir immer die Gleichen bleiben, egal was wir tun.