La mala educación

Nach den Vorspann-Titeln in Pop-Art begegnen wir Enrique Goded, einem jungen, erfolgreichen Regisseur, der mit seinem Produzenten auf der Suche nach einer Inspiration für seinen neuen Film ist: In der Zeitung durchforsten sie die gemischten Meldungen nach den bizarrsten Ereignissen, als ein junger Mann den Raum betritt: Er behauptet, Enriques Jugendfreund Ignacio zu sein, seine erste Liebe, wie Enrique seinem Kollegen später anvertrauen wird. Die sich anbahnende Beziehung wurde von dem eifersüchtigen Priester Manolo unterbunden, der den jungen Ignacio, der für seine wunderschöne Singstimme bekannt war, selbst begehrte. Pater Manolo ließ Enrique der Schule verweisen und verging sich an Ignacio. Jahre später hat Ignacio den Missbrauch in einer Novelle namens „La Visita“ verarbeitet, in dem seine (fehlgeschlagene) Rache an Pater Manolo bereits enthalten ist. Zufälligerweise ist Ignacio, der sich jetzt Ángel nennt, Schauspieler geworden, der in der Verfilmung von „La Visita“ unter der Regie von Enrique selbstverständlich die Hauptrolle übernehmen möchte. Enrique hält ihn zwar für ungeeignet, willigt aber dennoch ein, die Novelle zu verfilmen. Obwohl er außerdem überzeugt ist, dass es sich bei Ángel nicht um seinen Jugendfreund handelt, geht er eine Beziehung mit ihm ein, die beiderseits auf Misstrauen gegründet ist. Bei seinen Nachforschungen über den Verbleib Ignacios wird Enrique schließlich die Wahrheit über die Verquickung der Schicksale Ignacios, Ángels, Padre Manolos und seines eigenen erfahren.

Für Kenner von Almodóvars Biographie sind Parallelen zu seiner Vita und seinem Oeuvre unübersehbar: So besuchte auch Almodóvar eine Klosterschule, wo er im Schulchor sang; als schwuler Regisseur war er als Teil der movida am künstlerischen Umbruch Spaniens in der Post-Franco-Ära beteiligt; außerdem ähnelt seine Vorgehensweise der Enriques (das Plündern der gemischten Meldungen), und in seinem Film „Das Gesetz der Begierde“ („La ley del deseo“) von 1988 findet sich bereits eine Vorausschau auf zwei der wichtigsten Momente des Films: Die von Carmen Maura gespielte Transsexuelle, die ihre alte Schule aufsucht, um den Priester, der sie damals missbraucht hatte, zu erpressen, sowie die Figur des Filmregisseurs, der seine persönlichen Begierden in seine Arbeit einfließen lässt, was kein gutes Ende nimmt.

Auf die Frage, ob es sich um einen autobiographischen Film handele, antwortete Almodóvar:

„(…) der Film (ist) durchaus autobiographisch, jedoch in einem tieferen Sinn. Irgendwie steht meine Person als Schatten im Hintergrund der Personen, ich stecke teilweise in ihnen, aber ich schildere keineswegs meine eigene Lebensgeschichte.“

Von der autobiographischen Bedeutung einmal ganz abgesehen lässt sich jedenfalls nicht bestreiten, dass es sich bei „La Mala Educación“ um seinen bewegendsten und traurigsten Film handelt: Den Stellenwert seines neuesten Films betreffend meinte Almodóvar vor Beginn der Dreharbeiten: „Die einzige Gewissheit, die ich gegenwärtig habe, ist, dass ich um nichts in der Welt eine andere Geschichte verfilmen möchte.“