Die Wissenschaft hat festgestellt, dass schwedische Hausfrauen in den fünfziger Jahren bei der Zubereitung des Mahles für ihre Liebsten im Jahr durchschnittlich einen Fussweg zu bewältigen haben, der der Entfernung von Schweden zum Kongo entspricht. Der Grund dafür war die unökonomische Anordnung der Kücheneinrichtung. Wissenschaftlich erfasst und ausgewertet konnte der alljährliche Fussmarsch der Frauen reduziert werden auf eine Entfernung, die nur noch bis nach Norditalien reicht. Beflügelt vom wissenschaftlichen Höhenflug – und hier beginnt der Film – wird eine Feldstudie zum ‚Küchenverhalten männlicher Junggesellen’ durchgeführt. Zu diesem Zweck werden 18 Beobachter in das kleine Dorf Landstad in Norwegen geschickt, um an freiwilligen Probanden deren Küchenroutine zu studieren.
So sitzt Folke (Thomas Norström) von nun an in seinem Hochstand in Isaks (Joachim Calmeyer) Küche und beobachtet den kauzigen Eigenbrötler. Um die Objektivität des Experiments zu wahren ist jeder persönliche Kontakt strikt untersagt. Isak, dessen Natur sich gegen die akribische Vermessung durch den Fliegenbeinzähler Folke und die angedachte Optimierung seines Alltags sträubt, beginnt einen boshaften Kleinkrieg gegen den unerwünschten Beobachter. Doch ganz allmählich beginnt es zwischen den beiden Einsamen zu ‚menscheln’. Wo eisiges Schweigen und dreiste Sabotage herrschte, entwickelt sich nach und nach eine ‚Männerfreundschaft’, die darauf beruht, dass der eine seine Lebenssituation – unerfüllte Sehnsüchte, Einsamkeit – beim anderen wiederfindet. Bent Hamer erzählt in Kitchen Stories wie unter den positivistischen Vorzeichen des Zählens und Messens der Faktor Mensch zum erfrischenden Störfaktor, zum ‚Daseins-Anarchisten’ wird. „Regeln brechen, um Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen, das ist eine der wichtigsten Botschaften meines Films“, meint denn Bent Hamer ganz lapidar. Nach Elling (Petter Naess, 2001) kommt aus Norwegen erneut eine skurril-liebenswerte Komödie über eine Männerfreundschaft der besonderen Art und das zeitlose menschliche Bedürfnis, sich der Klassifizierung zu entziehen. Der Film begeisterte die Skandinavier so sehr, dass Norwegen ihn ins Rennen um den Academy Award 2004 schickte.
