Der Anfang ist ein Schock: Wir hören ein apathisches Keuchen vor anfangs schwarzer Leinwand und werden Zeuge von Bills sadomasochistischem Todesschuss mit dem er seine ehemalige Geliebte („The Bride“/Black Mamba – Uma Thurman) ins Jenseits zu befördern gedenkt. Es folgt, völlig im Kontrast, die Titelsequenz, untermalt mit Nancy Sinatras nostalgischem „Bang, Bang (My Baby Shot Me Down)“ – das als Motto des Films dienen könnte, da es die vorangegangene Szene und damit den Ausgangspunkt der Geschichte kurz und knapp zusammenfasst. „The Bride“, so genannt nach ihrem Hochzeitskleid, das sie in der ersten Szene trägt, überlebt aber – wenn auch im Koma liegend. Doch eines Tages wacht sie im Krankenhaus auf, wo sie Krankenpfleger Buck „liebe“voll pflegt, und setzt die Handlung in Gang: Sie sinnt auf Rache, an Bill und seiner Gang von Profi-Killern, zu der sie auch einmal gehörte. Diese Gang, der „Deadly Viper Assassination Squad“ (alle tragen Schlangen-Codenamen), ist das überaus bösartige Spiegelbild von “Charlie´s Angels – Drei Engel für Charlie”. Auf Black Mambas „Death List Five“ stehen so unterschiedliche Charaktere wie Königin der Tokioter Unterwelt O-Ren Ishii/Cotton Mouth (Lucy Liu) die Hausfrau und Mutter Vernita Green/Copper Head (Vivica A. Fox), Bills Bruder Budd alias Side Winder (Michael Madsen), die heimtückische California Mountain Snake Elle Driver (Daryl Hannah), und als Nummer fünf am Ende der Liste natürlich der titelgebende Bill (David Carradine).
Die Story: Ein Rachefeldzug frei nach dem Motto „Revenge is a dish best served cold“.
Die Hauptdarstellerin: Uma Thurman als blonder, unbarmherziger Racheengel, der am Ende des ersten Teils im schicken gelben Motorrad-Dress die Tokioter Unterwelt abschlachtet – neben vielen anderen.
Doch was macht den Film aus? Vor allem ist es die Ausgestaltung und die Stimmung der einzelnen Rache-Episoden, die in Kapiteln erzählt werden. Wieder einmal wird die Geschichte wie schon in „Pulp Fiction“ und „Reservoir Dogs“ – nicht chronologisch gezeigt, sie wird sogar in zwei Filme (Vol. 1 & Vol. 2) aufgeteilt, die zwar jeweils den Anfang aus verschiedener Perspektive zeigen, aber zusammen nur eine Geschichte bilden.
Was „Kill Bill“ wirklich ausmacht sind die vielen unterschiedlichen Filme in dem einen Film, die durch geschickte Film- und Musikzitate ganz verschiedene Genres beim Zuschauer zum Klingen bringen: Der 1. Teil ist ein Eastern (im weiteren Sinne), der sich an Yakuza- und Samurai-Filmen orientiert. Fantastisch ist auch die Anime-Sequenz, in der der Zuschauer in die grausame Vorgeschichte O-Ren Ishiis eingeführt wird. Das blutigste und perfekt choreographierte Kapitel „Showdown at House of Blue Leaves“ beeindruckt durch die visuellen Ideen Tarantinos, die Farbgestaltung, die Schwarz-Weiß-Sequenz zwischen zwei „Augenblicken“ und den ästhetisch äußerst ansprechenden Zweikampf zwischen Black Mamba und Cotton Mouth im rieselnden Schnee.
Der 2. Teil zeigt häufig Anleihen an den Spaghetti-Western, besonders an die Sergio-Leone-Filme, die Tarantino so stark verehrt, dass er sogar bei Ennio Morricone wegen des Soundtracks anfragte, aber eine Abfuhr erhielt, was ihn jedoch nicht darin hinderte, ein paar alte Morricone-Melodien einzubauen. Mit einem Augenzwinkern werden auch Horror- und Zombie-Fans gegrüßt, in einer Rückblende kommt dann noch einmal der Eastern mit den Kung-Fu-Lehrjahren bei Meister Pai Mei zum Zuge. Die Kampfchoreographie stammt übrigens von Yuen Wo-Ping, der diese Aufgabe auch bei “Matrix” und “Tiger & Dragon” hatte und der unangefochtene Meister dieser Kunst ist.
Der Kill-Bill-Doppelpack zur Fastnacht gehört zum Pflichtprogramm für jeden Cineasten – natürlich im Zebra.

